Israel – ewiger Sündenbock?

15 Okt

Nachfolgend dokumentieren wir eine Flugschrift, die am 13. Oktober 2010 von der „Initiative gegen deutsche Zustände“ zu einer Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig Verteilt wurde:

Heute findet in den Räumlichkeiten der TU-Braunschweig eine Podiumsveranstaltung „zu“ Israel statt. Der Titel lautet: „Welche Verantwortung haben wir für Israel und Palästina?“. Eingeladen sind: Michael Kleber (DGB- Regionsvorsitzende), Joachim Hempel (Domprediger aus Braunschweig) und schließlich Edo Medicks (ein ehemaliger israelischer Soldat und Fotograf).

Veranstaltet wird diese Podiumsdiskussion vom Braunschweiger Friedenszentrum, das damit seine politische Agenda fortsetzt: Die leidenschaftliche Agitation gegen Israel. Nach den gänzlich unkritischen Solidaritätserklärungen des Friedenszentrums für die „Gaza-Flotilla“*1*, die maßgeblich von der islamfaschistischen Organisation „IHH“ organisiert wurde und auf der rigide Geschlechtertrennung herrschte und der Hetzveranstaltung im Juli 2010 mit Edo Medicks, der Israel als einen „ideologischen Staat“*2* diffamierte (als gäbe es einen Staat der nicht ideologisch wäre) und Zionismus mit Faschismus gleichgesetzt hat*3*, setzt das Friedenszentrum seinen Aktivitäten gegen Israel nun fort und fragt suggestiv „Welche Verantwortung haben wir für Israel und Palästina? Welche Verantwortung hat Israel für die Region?“.

Mit dieser Fragestellung suggeriert das Friedenszentrum zweierlei Voraussetzungen, zum einen, dass die als „wir“ imaginierte „deutsche Volksgemeinschaft“ sechzig Jahre nach Auschwitz ordnungspolitisch ausgerechnet über die Zukunft Israels zu urteilen hätte und zweitens wird Israel alleine für die Verhältnisse in „Nahen Osten“ verantwortlich gemacht, Antisemitismus, Krieg und islamischen Terrorismus eingeschlossen. Dass Teile der Friedensbewegung, gewollt oder ungewollt, einer antisemitischen deutschen Tradition nachgehen, nämlich die Schuld bei Israel als dem „Juden unter den Staaten“ zu suchen, ist dabei kein Zufall. Statt „Juden“ denunziert man in Deutschland seit Auschwitz lieber den Staat Israel, im Selbstverständnis des „neuen Deutschlands“ ist offener Antisemitismus seit der Shoa öffentlich sanktioniert. Zudem bietet diese Projektionsleistung den Vorteil, dass indem die Deutschen Israel als Schuldigen und Aggressor identifizieren, sie sich desto mehr ihrer eigenen Nationalsozialistischen Vergangenheit entledigen können. Statt der Gewaltförmigkeit von Staatlichkeit an sich, die das Friedenszentrum überhaupt nicht interessiert, zu thematisieren werden alle Widersprüche und Konflikte einfach auf Israel projiziert.

Bei dieser herausragenden Projektionsleistung spielt Edo Medicks eine besondere Rolle. Der als „ehemalige Besatzungssoldat“ angekündigte Israeli, fungiert lediglich als Vorwand, den antiisraelischen Befindlichkeiten hierzulande einen guten Leumund zu bescheinigen. So sprach Edo bei der Veranstaltung vom Juli 2010 lediglich aus, was viele Deutsche schon lange denken, dass „Israel unerträglich und mehr oder weniger faschistisch„ sei. In dieser Tradition kann man 2010 in Braunschweig auch wieder fordern, was schon einmal Programm war: Israel, vulgo die „Juden“ zu boykottieren. Das dies antisemitisch ist, darüber wäre man sich sofort einig, stünde diese Forderung in den Hetzpostillen etwa der NPD, bei einer „Podiumsdiskussion“ von einem Israeli vorgetragen ist diese Position dagegen sofort Bündnis- und Diskussionsfähig.

Unter den Umständen, dass Boykottaufrufe und Faschismus-Vergleiche als diskutable Positionen dargestellt werden, halten wir es für untragbar, dass diese Veranstaltung stattfinden kann. Der Ausdruck dieser Veranstaltung ist symptomatisch für große Teile der Braunschweiger und Bundesdeutsche „Linken“. Gerade auch der sich kritisch gerierende Teil der Gesellschaft ist für strukturell oder offen antisemitische Erklärungen von der Verfasstheit der Welt empfänglich. Anstatt die Gründe für Israels Existenz aus einer analytischen Erklärung und der Unmöglichkeit der Gesellschaften, die als „jüdisch“ deklarierten Menschen vor der Vernichtung zu schützen, herzuleiten, werden einfache Erklärungen gesucht und in antisemitischer Manier an Israel abgearbeitet. Die Themenschwerpunktsetzung des sogenannten „Friedenszentrums“ bezeugt dies in beängstigender und eindeutiger Art und Weise.

Für uns gibt es in einer Welt, in der die Voraussetzungen des Antisemitismus nicht beseitigt sind keine legitime „Israelkritik“, die die Spezifik antisemitischer Denkmuster nicht mitreflektiert. Kritisiert gehören die Voraussetzungen einer Gesellschaft die Antisemitismus produziert und in der die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse Abfallprodukte der Wertverwertung sind. Die Gewalttätigkeit von Staatlichkeit findet sich auch in Israel, mit all der Grausamkeit, die diese Form gesellschaftlicher Organisierung mit sich bringt. Kritik daran jedoch nur an Israel zu formulieren offenbart eine strukturell antisemitische Weltsicht, sich dafür noch einen Israeli ein zu laden, der dies als Kronzeuge bestätigt, ist infam.

Solidarität statt Boykott!

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Eine Antwort to “Israel – ewiger Sündenbock?”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Prof. Antisemit – „Friedenszentrum“ lädt Khella ein | 3Dioptrien - April 18, 2011

    […] kann man dem „Braunschweiger Friedenszentrum“ nun wirklich nicht vorwerfen. Nach Veranstaltungen mit dem unvermeidlichen Kronzeugen gegen Israel, Edo Medicks, der notorisch antizionistischen Felicia Langer finden sich zum „Jahrestag“ der […]

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