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Wahnmache in Braunschweig

17 Nov

Ein Artikel über die auch in Braunschweig ansässigen „Montagsmahnwache“ war längst überfällig. Nur wie macht man das? Zum einen sind deren Protagonisten so verrückt, dass man in Schwierigkeiten gerät gerät will man sie kritisieren, weil jede Lüge und jeder Aberglaube an sich schon substanzlos ist, zum anderen stellt sich die Frage, ob eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihnen, den geltungsbedürftigen Friedensfreunden nur zusätzliche Aufmerksamkeit schenkt. Hielte man etwas davon, sie wären ein Fall für das örtliche Bündnis gegen Rechts oder eine angeschlossene Antifa-Gruppe, zumindest aber bürgerliche Organisationen müssten diesem Treiben ein Ende bereiten oder sich zumindest deutlich von den Verfolgungswahnsinnigen distanzieren und die Sache wäre erledigt. Die aber haben scheinbar besseres zu tun, oder schlimmer, teilen inhaltliche Punkte. Stattdessen  geben sich alle die Klinke in die Hand und es kommt zu den, auf den ersten Blick, obskursten Zusammenkünften.

Wo von „Zinsknechtschaft“ die Rede ist, von einer „verdummenden Spaßgesellschaft“, von tödlichen Impfungen und obskuren „Chips“ die ins Essen getan werden, von einem „Imperialismus“ des Westens und natürlich von Israel, von „Frühsexualisierung“ und einer schadhaften „Vergnügungssucht“ und selbstverständlich einem „Geldsystem“, dass (oh Wunder) nicht den Menschen nutzt, da kommt womöglich zusammen, was zusammen gehört.

Die NPD war schon da, der Recherche Blog 38, der sich wiederum nur an den anwesenden Proll-Nazis störte, islamistische Jugendliche, die Werbung für ihren Vernichtungsfeldzug gegen Juden und für eine islamistische Türkei machen durften, der Helmstedter „Infokrieger“-Depp Jens Blecker und wenn es um „Frieden“ und „Braunschweig“ geht, darf natürlich ein verwirrter ehemaliger Arzt nicht fehlen, der jeden mit E-Mails von Uri Avneri zubommt, dessen Mail-Adresse er ausfindig machen kann. Dazwischen lauter Barfuss-Hippies, alte dicke  Frauen die furchtbare Lieder krächzen, Veganer, Gesellianer, Tauschring- und lokale Währungs-Spinner, Bäumeumarmer, Selbstversorger, Betroffenheitsweltmeister, Putin-Fans, verwirrte Mütter und Jugendliche, Konsumkritiker und Gutmenschen. Es handelt sich bei dieser Braunschweiger Montagswahnmache tatsächlich um die stinkende, traurige Kloake einer Mischpoke aus abgehängten Verlierern, die nicht mal in den sonst für solche soziopathischen Fälle vorgesehenen Vereinen und Institutionen, wie der Linken, dem Friedenszentrum, dem Friedensbündnis, den unzähligen Öko-Spinnerbanden oder eben der örtlichen Kameradschaft aufgehen konnten.

Und so kam es, dass sie, beeinflusst durch antisemitische und neurechte Koryphäen wie „Ken Jebsen“ oder „Jürgen Elsässer“, dumpfbacke „Sven Mährholz“ oder attac-Genie „Pedram Shayar“, ihre eigene traurige Veranstaltung in Braunschweig gründeten.

Auf die Personen, wie den wirklich nett wirkenden „Rick“, der die Veranstaltung moderiert, oder den übergewichtigen, freundlichen Onkel „Olli“, der trotz seiner stolzen Plautze und seiner nach eigenen Angaben „noch nicht ganz perfekten Ernährungsweise“ gerne mal die Besucher des Cafes „X-Trend“ dazu auffordert so bewusst zu essen wie er, wird eventuell noch einzugehen sein.

Der hiermit angekündigte nächste Beitrag über die Montagswahnmache in Braunschweig wird sich jedoch einer Protagonistin zuwenden, die entgegen der meisten sehr irren, aber substanzlosen Reden, ziemlich konkret, wenn auch vermutlich unfreiwillig, den autoritären, zwanghaften und vor allem hasserfüllten Charakter dieser Veranstaltungen und die psychische Disposition der Teilnehmer offenbart: „Zeynebs“ Rede über den Islam. Sie zeigt wie keine andere gehaltene Rede auf dieser Veranstaltung was die Teilnehmer eint, was die Ideologie der „Montagsmahnwachen“ ist und was den Islam so anziehend macht wie andere rechtsextreme Bewegungen:

1) Unverständnis der Funktionsweise der Welt gegenüber

2) aus diesem Unverständnis heraus geborener Hass auf alles Abstrakte

3) die Konkretisierung dieses Abstrakten in den „Herrschenden“, ausgesprochen in den „Juden“, „Zionisten“ oder eben „Israel“

Erscheint in den kommenden Wochen.

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Justus Wertmüller – Islamismus und Faschismus

14 Mrz

Unter diesem Titel geistert zumindest ein Vortrag von Justus Wertmüller durch das Netz. Es handelt sich um eine Sendung von „Sachzwang FM“, in der zwei Vorträge zusammen gefasst sind. Zum einen der Vortrag von Matthias Küntzel zu seinem Buch „Djihad und Judenhaß“ und als zweiter Vortrag eben eine Aufnahme von Justus Wertmüller, vermutlich aus den frühen 0er-Jahren…? Weil ich den Vortrag für hochaktuell halte und er sich hinter dem von Küntzel etwas versteckt, habe ich ihn einmal einzeln hochgeladen und empfehle ihn.

Justus Wertmüller – Islamismus und Faschismus by Negativenoon on Mixcloud

Der ehrbare Antisemitismus – Zum 100. Geburtstag von Jean Améry

31 Okt

Der ehrbare Antisemitismus

Die Barrikade vereint mit dem Spießer-Stammtisch gegen den Staat der Juden

Von Jean Améry

De Gaulle fiel. Mandl einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, daß in New York dem französischen UNO-Delegierten Armand Berard nichts Besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut Nouvel Observateur vom 5. Mai): „C’est l’ or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hieß: er reißt in den Ring.“

Das klassische Phänomen des Antisemitismus nimmt aktuelle Gestalt an. Die alte besteht weiter, das nenn ich mir Koexistenz. Was war, das blieb und wird bleiben: der krummnasige, krummbeinige Jude, der vor irgend was – was sag ich? der vor allem davonläuft. So ist er auch zu sehen auf den Affichen und in den Pamphleten der arabischen Propaganda, an der angeblich braune Herren deutscher Muttersprache von einst, wohlkaschiert hinter arabischen Namen, mitwirken sollen. Die neuen Vorstellungen aber traten auf die Szene gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg und setzen langsamerhand sich durch: der israelische Unterdrücker, der mit dem ehernen Tritt römischer Legionen friedliches palästinensisches Land zerstampft. Anti-Israelismus, Anti-Zionismus in reinstein Vernehmen mit dem Antisemitismus von daznmal. Der ehern tretende Unterdrūcker-Legionār und der krummbeinige Davonlāufer stören einander nicht. Wie sich endlich die Bilder gleichen!

Doch neu ist in der Tat die Ansiedlung des als Anti-Israelismus sich gerierenden Antisemitismus auf der Linien. Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist; sich selber freien Willens zum dummen Kerl.

Den Prozeß kann man nutzbringend nachlesen im dem schon vor mehr als einem Jahr in Frankreich bei Pauvert erschienenen Buch Gauche contre Israel“ von Givet. Es genügt aber auch, gewisse Wegmarken zu erkennen, beispielsweise eine in der Zeitschrift konkret erschienene Reportage zu lesen: „Die dritte Front“. „Ist Israel ein Polizeistaat?“ heißt da ein Zwischentitel. Die Frage ist nur rhetorisch. Natürlich ist Israel das. Und Napalm und gesprengte Häuser -friedlicher arabischer Bauern und Araber-Pogrome in den Straßen von Jerusalem. Man kennt sich aus. Es ist wie in Vietnam oder wie es einstens in Algerien war. Der krummbeinige Davonläufer nimmt sich ganz natürlich ans als Schrecken verbreitenden Goliath.

Es ist von der Linken die Rede und keineswegs nur von den noch mehr oder minder orthodoxen kommunistischen Parteien im Westen oder gar von der Politik der Staaten des sozialistischen Lagers. Für diese gehört der Anti-Israelismus, aufgepropft auf den traditionellen Antisemitismus der slawischen Völker, ganz einfach zur Strategie und Taktik einer so und so gegebenen politischen Konstellation. Die Sterne lügen nicht, die Gomulkas wissen, worauf sie rechnen dürfen. Ca bonne guerre! Darüber ist kein Wort zu verlieren.

Schlimmer ist, daß die intellektuelle Linke, die sich frei weiß von Parteibindungen, das Bild übernimmt. Jahrelang hat man – um einmal von Deutschland zu reden – den israelischen Wehrbanem gefeiert und die feschen Mädchen in Umform. In schlechter Währung wurden gewisse Schuldgefühle abgetragen. Das mußte langweilig wenden. Ein Glück, daß für einmal der Jude nicht verbrannt wurde, sondern als herrischer Sieger dastand, als Besatzer. Napalm und so weiter. Ein Aufatmen ging durchs Land. Jederkonnte reden wie die Deutsche National- und Soldaten-Zeitung; wer links stand, war befähigt, noch den Jargon des Engagements routinemäßig zu dekorieren.

Fest steht: der Antisemitismus, enthalten im Anti-lsraelismns oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar. Er kann ordinär reden, dann heißt das „Verbrecherstaat Israel“. Er kann es auf manierlichere Art machen und vom „Brückenkopf des Imperialismus“ sprachest, dabei so nebstbei allenfalls in bedauerndem Tonfall hinweisen auf die mißverstandene Solidarität, die so ziemlich alle Juden, von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen, an den Zwergstaat bindet, und kann es empörend finden, daß der Pariser Baron Rothschild die Israel-Spenden der jüdischen Bevölkerung Frankreich“ als eine Steuer einfordert.

Der Antisemitismus hat es leicht allerwegen, Die emotionelle Infrastruktur ist da, und das keineswegs nur in Polen oder Ungarn. Der Antisemit ‚denystifiziert“ den Pionierstaat mit Wohlbehagen. Es fällt ihm ein, daß hinter dieser Staatlichem Schöpfung immer schon der Kapitalismus stand in Form der jüdischen Plutokratie: Auf diese letztgenannte geht er nicht ausdrücklich ein, das wäre ein ideologischer lapsus linguae, jedoch – „c’est l’or juij“! – niemand wird „im täuschen über die tatsächliche Bestelltheit eines Landes, das am einer schlechten Idee geboren, am schlechten Orte errichtet, einen oder mehrere schlechte Kriege geführt und Siege erfochten hat,

Mißverständnisse sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich weiß so gut wie irgendwer und jedermann, daß Israel objektiv die unerfreuliche Rolle der Besatzungsmacht trägt. Alles zu justifizieren, was die diversen Regierungen Israels unternehmen fällt mir nicht ein. Meine persönlichen Beziehungen zudiesem Land, von dem Thomas Mann in der Josephs-Tetralogie gesagt hat,es sei „ein Mittelmeer-Land, nicht gerade heimatlich etwas staubig und steinig“, sind quasi null: Ich habe es niemals besucht, spreche seine Sprache nicht, seine Kultur ist mir auf geradezu schmähliche Weise fremd, seine Religion ist nicht die meine. Dennoch ist das Bestehen dieses Staatswesens mir wichtiger als das Irgendeines anderen,

Und hiermit gelangen wir an den Punkt, wo es ein Ende hat mit jederberatenden oder analysierenden Objektivität und wo das Engagement keinefreiwillig eingegangene Verbindlilchkeit ist, sondern eine Sache der Existenz, das Wort in mancherlei Bedeutung verstanden.

Über Israel, den modischen Anti-Israelismus, den altmodischen, aber stets in jegliche Mode sich wieder einschleichenden Antisemitismus spricht existentiell subjektiv, wer irgendwie „dazugehört“ (Juden, Personen, die im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 als Juden gelten) – und erreicht am Ende vielleicht gerade darum eine Objektivität annähernd naturrechtlichen Charakters. Denn schließlich mündet noch die geistesschlichteste – genauso wie die gründlichste und gescheiteste – Überlegung in die Erkenntnis, daß dieses Pionierland, und mag es hundertmal nach einer sich pervertierenden pseudomarxistischen Theologie im Sündenstande technischer Hochentwicklung sich befinden, unter allen Staaten dieses geopolitischen Raumes das gefährdetste ist. Sieg, Sieg und nochmals Sieg: Es droht die Katastrophe, und ihr weicht man auch nicht aus, indem man direkt in sie hineinrennt und Israel zum Teilgebiet einer palästinensischen Föderation macht.

Die arabischen Staaten, denen ich Glück und Frieden wünsche, werden den israelischen Entwicklungsvorsprung einholen, irgendeinmal. Ihr demographischer Überdruck wird das übrige tun. Es geht unter allen Umständen darum, den Staat Israel zu erhalten, so lange, bis Frieden, wirtschaftlicher und technischer Vorausgang die Araber in einen allgemeinen Gemütszustand versetzen, der ihnen die Anerkennung Israels innerhalb gesicherter Grenzen gestattet.

Es geht darum. Wem? Die subjektive Verfassung, die zur geschichtlichen Objektivität werden will, hat hier ihre Dreinrede. Israels Bestand ist unerläßlich für alle Juden (Juden, Personen, die im Sinne … und so weiter), wo immer sie wohnen mögen. „Wird man mich zwingen, Johnson hochleben zu lassen? Ich bin bereit dazu“, rief am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges der linksradikale französische Publizist und Sartre-Schüler Claude Lanzmann. Der wußte, was er meinte und wollte. Denn jeder Jude ist der „Katastrophen-Jude“, einem katastrophalen Schicksal ausgeliefert, ob er es erfaßt oder nicht. „Lauf, blasser Jude“, schreiben die Black-Panther-Männer an die Geschäfte und Häuser jüdischer Händler in Harlem und vergessen leichten Herzens die alte Allianz, die in den USA den Juden an den Neger kettete und die noch der mieseste bürgerlich-jüdische Händler nicht verriet.

Wer garantiert, daß nicht einmal eine Regierung in den Vereinigten Staaten zum großen Versöhnungsfest den Juden dem Neger zum Fraß hinwirft? Wer verbürgt den einflußreichen und zum Teil reichen Juden Frankreichs, daß nicht eines Tages das Erbe der Drumont, Maurras, Xavier Vallat zu neuer Virulenz gelangt? Wer steht ein dafür, daß nicht Herrn Strauß, an die Macht gekommen, irgend was einfällt, worauf dann auch ein gewisser Zeitungs-Tycoon sich hüten würde, weitere schnöde Spenden einer schnöde zur Annahme bereiten israelischen Regierung zu geben? Niemand garantiert nichts. Das ist keine paranoide Phantasie und ist mehr als die menschliche Grundverfassung der Gefahr. Die Vergangenheit, die allerjüngste, brennt.

Und nun wird jeder Freund von der Linken mir sagen, auch ich reihte mich ein in die große Armee derer, die mit sechs Millionen (oder meinetwegen fünfen oder vieren) Ermordeter Meinungserpressung treiben. Das Risiko ist einzugehen! Es ist geringer als das andere, welches die Freunde mir proponieren, wenn sie für die Selbstaufgabe des „zionistischen“ Israel plädieren.

Die Forderung der praktisch- politischen Vernunft geht dahin, daß die Solidarität einer Linken, die sich nicht preisgeben will (ohne daß sie dabei das unerträgliche Schicksal der arabischen Flüchtlinge ignorieren muß), sich auf Israel zu erstrecken, ja, sich um Israel zu konzentrieren hat, Das Gebot hat für den nichtjüdischen Mann der Linken nicht die gleiche Verbindlichkeit wie für Juden, stehe dieser politisch links, mittwegs, rechts oder „irgendwo, Aus der Linken kann man austreten; das Sosein als Jude entläßt niemand, das wußte schon ein Früh-Antisemit wie Lanz-Liebenfels, Freilich hat die Linke ihre ungeschriebenen moralischen Gesetze, die sie nicht beugen darf, „Wo es Stärkere gibt, immer auf der Seite der Schwächeren“, welch unüberschreitbar wahre Trivialität! Und stärker werwagte Widerrede? = das sind die Araber stärker an Zahl, stärker an Öl, stärker an Dollars, man frage doch bei der Aramco und in Kuwait nach, stärker, ganz gewiß, an Zukunftspotential.

Die Linke aber offensichtlich schaut wie gebannt auf die tapferen palästinensischen Partisanen, die freilich ärmer sind als die Männer Moshe Dayans. Sie sieht nicht, daß trotz Rothschild und einem wohlhabenden amerikanischjüdischen Mittelstand der Jude immer noch schlechter dran ist als Frantz Fanons Kolonisierter, sieht das so wenig wie das Phänomen des anti-imperialistischen jüdischen Freiheitskampfes, der gegen England ausgefochten wurde. Am Ende ist es auch nicht die Schuld der Israelis, wenn die Sowjetunion vergaß, was 1948 vor der UNO Gromyko mit schönem Vibrato vorgetragen hat: „Was den jüdischen Staat betrifft, so ist seine Existenz bereits ein Faktum, das gefalle oder nicht (…) Die Delegation der UdSSR kann sich nicht enthalten, ihr Erstaunen über die Einstellung der arabischen Staaten in der palästinensischen Frage auszudrücken. Ganz besonders sind wir überrascht zu sehen, daß diese Staaten oder zumindest einige von ihnen sich entschlossen haben, militärische Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziele, die nationale Befreiungsbewegung der Juden zu vernichten. Wir können die vitalen Interessen der Völker des Nahen Ostens nicht identifizieren mit den Erklärungen gewisser arabischer Politiker und arabischer Regierungen, deren Zeugen wir jetzt sind.“

So sprach, wie schon gesagt, die Sowjetunion, eine Großmacht, die Großmachtpolitik treibt und die wohl 4 la longue nicht absehen konnte von dem offenbaren Faktum, daß es mehr Araber gibt als Juden, mehr arabisches Öl all jüdisches, daß militärische Stützpunkte in den arabischen Staaten einen höheren strategischen Wert haben als in Israel, Die Linke im weiteren und weitesten Sinn aber, und ganz besonders die protestierende äußerste Linke, der ich mich auf weiten Strecken verbunden weiß, hat diese Großmacht? Ausflucht nicht, Sie ist, nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten, zur Einsicht verpflichtet Sur Einsicht in die tragische Schwäche des jüdischen Staates und jedes einzelnen Juden in der Diaspora, zur Einsicht in das, was hinter den Kulissen eines jüdischen bürgerlichen Mittelstand des, Hinter dem Mythos des Geld= und Gold-Juden (von Jud Süß bis zu den kontemporären Rothschilds und ein paar jüdischen Hollywood-Größen) sich verbirgt. Die Juden manipulieren zeitweilig Kapitalien: Sie beherrschten sie niemals. Sie haben heute in Wall Street so wenig zu sagen wie einst im wilhelminischen Deutschland in der Schwerindustrie.

Der Staat Israel ist heute so wenig ein Bollwerk des Kapitalismus, wie er es war, als die ersten Pioniere dort den Boden umgruben, so wenig wie die arabischen Staaten vernünftigerweise als progressistisch angesehen werden können. Die Linke macht, das ist der Jammer, die Augen zu. Der Zufall spielte mir gerade einen Text von Hans Blüher zu: „Eine wirkliche Geschichte Europas dürfte nicht so geschrieben werden wie das bisher geschah, daß nämlich ein Jude einmal hie und da anekdotenhaft vorkommt …, vielmehr müßte die Darstellung so sein, daß dauernd die geschichtliche Macht des Judentums als eines latenten und ständig mitspielenden Reiches sichtbar wird.“ Der Text könnte wörtlich in einer der zahlreichen pseudointellektuellen arabischen Veröffentlichungen stehen, mit denen die Presse überschwemmt wird. Und von Blüher – aber auch von Streicher, denn allerwegen ebnet der Antisemitismus die intellektuellen Höhenunterschiede ein – könnte stammen, was der Unterrichtsminister des progressistischen Staates Syrien an den Generaldirektor der Unesco schrieb: „Der Haß, den wir unseren Kindern einprägen, ist ein heiliger Haß.“ Es wäre das alles kaum der Aufnotierung wert, und der närrische Blüher könnte im Frieden des Vergessens schlafen, hätte nicht die intellektuelle Linke Westeuropas (einschließlich übrigens einiger vom Selbsthaß verstümmelter Juden wie Maxim Rodinson) sich dieses Vokabulars bemächtigt und das vom Wortschatz vermittelte Normensystem angenommen.

Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus auch die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird, dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selber vergißt, „Der Antizionismus ist ein von Grund auf reaktionäres Phänomen, das von den revolutionären progreslistischen antikolonialistischen Phrasen über Israel verschleiert wird“, sagte neulich Robert Misrahi, ein französischer Philosoph, der, gleich dem vorhin zitierten Claude Lanzmann, zur weiteren Sartre-Familie gehört.

Der Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken ist gekommen! denn sie ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt. Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben, Leute wie der polnische General Moçzar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten Die Linke muß redlicher sein, Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus,

Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“? „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden,“

Neues/Altes von „Occupy Wallstreet“

28 Okt

Diese antisemitischen „Karikaturen“ sprechen wohl für sich. Empfohlen sei dazu der „Occupy Reason!“ Artikel vom ISF:

„Daß Lohnarbeit Sinn mache, wo sie doch nur die Verwertungsagentur des Kapitals darstellt, daß sie “ethischen und seelischen Wert” bedeute, während sie doch Zwang ist, daß aus ihr gar “ein Ideal” erwachse und eine “Ehre der Arbeit”, woraus sodann und naturgemäß “eine gemeinsame Auffassung von Volk und Nation” folgere, daß schließlich der deutsche Nationalzoo gegen das “gewisse” parasitäre eine Prozent zu verteidigen sei – das blieb nicht der Traum der Deutschen Arbeitsfront, sondern mündete in der Volksfront gegen die Juden. Auch “Occupy” brütet Mordphantasien. Und so wird, wer als Urheber der “Schuldknechtschaft” identifiziert worden ist, schon einmal im Geiste aufgehängt. So waren in Berlin Plakate zu sehen, die einen Galgenstrick unter der Schlagzeile “Alternativlos” und Leichen, die an Straßenlaternen hingen, mit der Aufforderung zeigten, es sei nun “Zeit für einen Laternenumzug”. Im Ressentiment ist man sich allemal einig, und eben dies ist der Grund, warum “Leute, die sich sonst zerstritten hätten”, so “wunderbar” miteinander auskommen. Denn der völkische Wahn war mit dem 8. Mai 1945 und folgenden Zwangspazifizierung der Deutschen keineswegs am Ende. Daß er bis heute Staats- und Volksauftrag ist, verrät sich in der Krise. So ist die deutsche Variante von “Occupy” nur der neueste Ausdruck des deutschen Arbeitswahns, dem die deutsche Ideologie und ergo auch die Boulevardpresse huldigt, so, nur zum Beispiel, der Stern. Dort ruft Hans-Ulrich Jörges, der Chef-Kommentator, der bei anderer Gelegenheit das kalte Kalkül des Staates, die überschüssige Bevölkerung nicht dem Hunger zu überlassen, eine “wahre Honigroute zum Kommunismus” nannte, dazu auf, der die “Realwirtschaft (zer-)störenden Spekulation” müsse “das Kreuz gebrochen werden”. Die deutsche Unschuld sinnt schon wieder auf Rache.“

 

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