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Kritik des Staates – Stromberg und der Ausnahmezustand

28 Okt

Die Kritik des Staates ist nicht nur nötig, sie ist auch ob der linken Fehlinterpretationen, sei es vom allseits beliebten Gegenstandpunkt oder den mittlerweile kaum noch existierenden Bewegungsrevolutionären von „Ums Ganze…“ und ihrer langweiligen ML-Broschüre, kaum noch zu retten. Ein angenehmes Gegengewicht bildet die ISF und die Gruppe Morgenthau. Weil die Einleitung dieser Gruppe nicht nur mehr Inhalt hat als die gesamte „Ums Ganze…“-Broschüre und auch noch in einem schöneren Deutsch daher kommt, habe ich sie mal extrahiert. Sie sei zum Konsum empfohlen. Den ebenfalls empfehlenswerten Vortrag mit Joachim Bruhn gibt es hier: Sachzwang FM bei Audioarchiv

Einleitung Gruppe Morgenthau

„Ganz entscheidend ist nach wie vor die Kritik des Staates, die sich der Möglichkeit bewusst ist, dass noch Schlimmeres jederzeit möglich sein kann. An der gebotenen Anstrengung des Begriffs, die darin besteht, über den Zusammanhang zwischen Normalität und Ausnahmezustand deren Differenz nicht zu vergessen, scheitern dann auch regelmäßig jene Linke, die den Staat in ihre jeweiligen Abrechnungen mit einbeziehen. Eine Kritik des Staates muss sich vergegenwärtigen welchen sie vor Augen hat und was an seine Stelle träte. Staatskritik, die zu mehr taugen soll als zur Handlungsanleitungg für Autonome Hampelmänner oder zur gruppensoziologischen Einlage im langweiligen Universitätsbetrieb, hat von Individuen auszugehen und nicht vertrauensvoll von Klassen oder Massen zu sprechen. Erst dann lässt sich sinnvoll über das negative Potenzial der Staatsbegeisterung nachdenken, welches den Formwandel des Autoritarismus überdauert hat und nun nicht mehr im preußischen Untertan, man denke an die Figur Diederich Heßling, sondern im postnazistischen Aktivbürger schwelt.

Diese Transformation des Autoritarismus lässt sich übrigens wunderbar an der Figur eines gewissen Bernd Stromberg studieren. Das Subjekt dieser Tage, das als Arbeitskraft eigenverantwortlich, flexibel und spontan sein soll und vor diesem geglaubten Anspruch regelmäßg scheitert und sich immer mehr schämt, ist das Resultat der historischen Formveränderung in der Zusammensetzung des Kapitals, das für die Arbeitskräfte, die noch benötigt werden das Motto ausgibt, dass autoritärer Gehorsam weniger produktiv ist. Der Arbeitsplatzschnorrer, der sich als Unternehmer seiner selbst fühlt und der auf dem offenen Arbeitsmarkt sozialstaatlich geregelte Sicherheiten einbüßen muss und dabei erfährt, dass kein heldisch und hochschwellig erlebter Führer Garantien beschwört, verliert zwar den Glauben an die versorgende Funktion des Staates, entrückt diesem dadurch aber nicht. Im Gegenteil, sie werden selbst aktiv, reden und tun, wenn sie politisch und dabei meist bösartig werden so, als wären sie selbst kleine Staaten. Und natürlich wären sie konsequenter, härter und ehrlicher als die korrupten und zugleich verweichlichten Politiker, die ihnen im Ideal vorgesetzt werden.“

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