Tag Archives: Critical Whiteness

Göttingen ist „empört!“

17 Dez

Wetten, dass..? aus AugsburgWer schon einmal das fragwürdige Vergnügen hatte, an Göttinger „Linke“ zu geraten, die nicht der antiimperialistischen Sekte „A.L.I.“ zuzurechnen sind, sondern sich vor allem aus deklassierten und überflüssigen Gestalten zusammensetzt, die von DGB und anderen  NGOs alimentiert werden, weiß, von wem in unserem heutigen Fundstück die Rede ist. Es handelt sich um jene Sorte veganer, antizionistischer, queerer, postmoderner Spinner, die sich weder um ihre körperliche Erscheinung noch um ihren Intellekt sorgen, in Ekelbarracken und auf herunter gekommen „Bauwagenplätzen“ hausen und alles und jedem die Schuld an ihrer Misere geben, sei es dem „Patriarchat“, dem „Kolonialismus“, dem „rassistischen Normalzustand“ und nicht zu vergessen natürlich dem Gebrauch des „kolonial-rassistsiche[n] >N.<-Wort[es]“, nie jedoch bereit sind, auch nur für eine Sekunde über so etwas wie Gesellschaftskritik nach zu denken. Für sie bedeutet Kritik, an Dingen rumzumäkeln, die ihnen nicht passen und sie anschließend anderen Leuten zu verbieten. So geschehen vor einigen Jahren mit der Sendung Tatort, der die schlechte Behandlung von Flüchtlingen zum Thema hatte und versuchte dies darzustellen. Prompt fing er sich den Vorwurf der Göttinger-Gralshüter ein, Rassismus zu zeigen, dass genau dies der Zweck der Übung war, fiel den Moralhütern selbstverständlich nicht ein. Stattdessen wurde beleidigt an die Programmverantwortlichen geschrieben. Eine Art Selbsterniedrigung, die jeder vernünftige Mensch (und auch die Programmverantwortlichen) nur mit ungläubigen Kopfschütteln quittieren kann.

Erneuert wurde dieses Schauspiel nun ausgerechnet anhand einer Veranstaltung der „Gruppe3“ aus ebenjener Stadt mit Dr. Rolf Röhrig vom GegenStandpunkt (dort ist man bekanntlich ziemlich Titelgeil) zum Thema „Rassismus – Wie er geht und wie man ihn besser nicht kritisiert“. Nun mag man vom GegenStandpunkt halten was man will, weder sind sie für Humor bekannt, noch für spannende Vorträge, schlauer als die postmodernen Zombies dieser so häßlichen wie unwichtigen Stadt Göttingen sind sie allemal. Und so begab es sich, dass einige „Empörte“ in bester Wutbürgermanier anonym „offene Briefe“ gegen diese Veranstaltung zu versenden begannen und im Nachgang der Veranstaltung, bei der der Referent noch versuchte sich mit den Argumenten seiner Gegner auseinander zu setzen (ca. nach einer Stunde), einen weiteren bösen Brief aufzusetzen. Doch warum? Die „wichtigsten“ Argumente finden sich im folgenden zusammengefasst:

„dass der Referent die ganze Zeit bewußt ungegenderte Sprache nutzte“

„Den ganzen Abend über wurden vom Referenten als auch von Teilen der Besucher_innen der Veranstaltung rassistische Begriffe gebraucht, deren Nutzung verteidigt, deren Bedeutung verharmlost.“

„Selbstgewählte Bezeichnungen von People of Color und Schwarzen wurden ignoriert, bzw vorsätzlich abgesprochen. Hiermit setzt sich die kolonial-rassistischer Praxis fort, dass weiße über Schwarze und PoC reden und damit Gewalt auszuüben, bzw die eigene (weiße) Position innerhalb der weiß-deutschen Dominanzgesellschaft festigen“

„Der Referent erdreistete sich sogar zu sagen, dass „der Wechsel der Selbstbezeichnungen so schnell gehe, wie der Wechsel von Unterwäsche“. “

„Im weiteren Verlauf benutzten auch immer wieder Leute aus dem Publikum z.B. das kolonial-rassistsiche „N.“-Wort.“

„Gegen Ende wurde dann von einem Redner (nachdem er Vergleiche von Menschen mit der Tierwelt gezogen hatte) die Aussage getroffen, dass es doch sehr wohl Unterschiede zwischen Schwarzen und weißen geben würde.“

„Dem wiederholten Wunsch nach dem Rausschmiß der hier beschriebener Rassist_innen wurde von jemandem aus dem Publikum entgegnet, man solle sie doch selbst rauswerfen.“

„Diese Veranstaltung war pure Gewalt, angereichert mit weiß-deutsch-akademischer Arroganz.“

Auf die lächerlichen Vorwürfe im einzelnen einzugehen ist mir zu peinlich, gerne kann man hier den Vortrag nachhören oder die Stellungnahme der „Gruppe3“ nachlesen. Die Selbstgefälligkeit und Dreistigkeit der Göttinger „Empörten“ jedoch ist schon an pathologischen Größenwahn erinnernd, hat man statt Argumenten lediglich Aufrufe zu Verboten in der Tasche: „Wir fordern ein Veranstaltungsverbot für die Gruppe 3 in allen Räumen, die sich als emanzipatorisch verstehen.“ und verweist auf das Betroffenheitsgejammer einer Noah Sow, das selbstverständlich ohne Begriff von Gesellschaft auskommt, das man als verwahrloster Postmoderner aber immer als „PoC-Perspektive“ vor sich her tragen kann um anderen den Mund zu verbieten.

Ich kann vor Göttingen und seinem Bauern-Mob nur warnen. Wer sich selbst überzeugen will, dem empfehle ich im „Theaterkeller“ oder in einschlägigen Szene-Spelunken bei einem Bier über Sinn und Unsinn von Definitionsmacht zu diskutieren.

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Wer zweimal mit derselben pennt…

5 Dez

Sookee_c_Mario_Thieme021Tja, wo soll man da eigentlich anfangen? Dass man sich schon wieder mit diesem Ekelthema der Genderverseuchten, ich-bin-ja-so-bunt-und-anders-und-viele-Geschlechter Aufklärungsverweigerer herumschlägt? Dass man sich Leute zur Brust nehmen muss, weil ihr schlechtes Gewissen dermaßen nach linksliberaler, missionierender Claudia Roth stinkt, dass man den Geruch einfach nicht ignorieren kann? Dass man über eine Veranstaltung abkotzen muss, die der neostalinistische „SDS“ veranstaltet hat, ohne groß auf die weiteren Themen dieses „Kongresses“, der den bescheuerten Titel „Kapitalismus vs. Demokratie“ (Elsässer lässt grüßen) trägt, eingehen kann, der auch Veranstaltungen für das vegane, von Mama gedrehte Dreadlock-Publikum in petto hatte, wie „Arbeiterklasse oder Multitude? Wer macht die Revolution?„, „Islam. Neues Feindbild nach dem Kommunismus?“ und „Afghanistan, Iran und Syrien – Wo bleibt die Antikriegsbewegung“ oder natürlich die obligatorischen Beiträge angehender rückverdummter Hilfswissenschaftler wie Olaf Sanders, der sich mit „Gilles Deluzes Konzept von Widerstand und Bildung“ beschäftigt? Bei so einer Linken bedarf es nun wahrlich keiner Rechten mehr.

Nunja, aber fange wir damit an (und enden auch damit, damit keiner irre wird), dass sich die super-aufgeklärte-anti-homophobe-Aktion ich-habe-so-eine-andere-Frisur-und-bin-auch-ganz-alternativ-möchtegern-Rapperin-nur-ich-hab-nichtmahl-Judith-Butler-gelesen-PoMo-bin-aber-schwer-betroffen-und-es-verletzt-mich-so-und-von-Feminismus-hab-ich-auch-mal-was-gehört Sokee sich mit dem nun wahrlich nicht intellektuellen Maxim von K.I.Z. an einen Tisch setzt und sie – ja über was nochmal – diskutieren. Zuerst drängt sich natürlich dem/der kritischen Leser_**__IN auf, was wohl Noa Sow zu diesem gar völlig weissen Podium sagt und dann noch zu einem Thema, das Weisse doch nur von Schwarzen okkupiert haben! Also wirklich, wie hieß das nochmal, Kulturkannibalismus oder so? Das geht doch nicht! Ein wenig mehr praktische critical whiteness awareness mahnte an dieser Stelle nicht nur der allzeit Sendungsbewusste Mann vom Fach und Bambi-Zertifizierte Quoten-wunder-Integrierte Bushido an, der seit neuestem den österreichischen Migranten miemt und in einer auf den 13. August 1920 Bezug nehmenden Exegese, als Vollintegrierter, die Auslöschung Israels einfordert. Willkommen in der Volksgemeinschaft an dieser Stelle und somit wäre auch der Rassismus der Deutschen konterkariert.

Aber zurück zum „Podium“ Genderfaschisten gegen vulgär-Soziologen-Maxim. Warum die „Diskussion“ über 90 Minuten ging ist unerklärlich. Wer ein Gehirn hat, fürMaxim_KIZ_JUICE_CHRISTOPHVOY den war klar, dass nach zehn Minuten alles gesagt war und sich ab diesem Zeitpunkt nur noch wiederholte. Das aus dem universitären Alltag geschulte Publikum schaffte es dann auch tatsächlich, wie in der Uni, die gleiche Frage/Anmerkung eine Stunde lang in neuen Wörtern neu zu stellen um die gleichen Antworten zu bekommen. Das traurige daran: Eigentlich waren die ersten Minuten gar nicht so schlecht. Maxim erklärte, dass er Nominalismus langweilig und falsch findet und lieber nach der sozialen Exegese der Begriffe fragt und wie diese zustande kommen. Das ganze verarscht er in seinem Raps, indem er mit den Begriffen spielt und Rap macht er auch nur aus Langeweile und weil man Geld damit verdienen kann. Zudem will er nicht missionieren, nicht mit dem Zeigefinger sagen, was richtig und was falsch ist. Das ist gleichzeitig auch sein Begriff von Kunst, vom Inhalt abstrahieren und etwas originelles machen, was man vielleicht auch noch gut kann – und das stimmt für K.I.Z. ja sehr wohl, ob man deren pubertären Texte jetzt mag oder nicht. Sokee dagegen findet das alles ganz schrecklich, „Fotze“ darf man nicht sagen (das war immerhin in der RAF noch ganz anders) , „Vergewaltigung“ sagen ist auch ne Vergewaltigung, zumindest gibt es dazwischen keinen Unterschied, dass das eine Gesagt und das andere unter körperlicher Gewalt vollzogen wird sieht sie nicht ein und Gesellschaft wird durch Begriffe erst diskursiv erschaffen usw. und so fort… Zudem meint sie, jeder habe andere Rezeptionstrategien, kann aber leider nicht sagen was das heissen soll.

Alles in allem also genau der Widerspruch, der zwischen materialistischer Kritik und postmodernem Awareness-Quatsch besteht. Auf der einen Seite das postmoderne „doofe Gefühl“, welches keine Wahrheit kennt, auf der anderen der Versuch den Begriff zu schärfen und kritisch zu verwenden. Mittelbare Praxis gegen die Kritik, die sich der Unmittelbarkeit bewusst ist. Das gleiche Dilemma findet sich ja in der Kunst zuhauf. Kunst, so Maxim muss schön sein – während Sokee ihren Quetschenpaua-Zeigefinger-Ich-bin.ja-so-reflektiert-Sozialarbeiterquatsch gar nicht mehr als Kunst sieht. Stimmt. Es ist nichtmal Propaganda, es ist nur Scheiße, die das reflexionslose Gefühl nährt auf der richtigen Seite zu stehen.

via Anthraxit

Obligatorisches Rummgejammer Proletin

„Lasst mich doch in Ruhe, mit eurer Politik…“- Drei Thesen zu „Critical Whiteness“

4 Nov

Drei Thesen zu „Critical Whiteness“, gewidmet insbesondere accalmie, die mir sehr höflich begegnet ist.

1. „Critical Whiteness“ erfüllt Bedürfnisse. Ist zeitgemäßer Okkultismus mit angeschlossener Wohlfühlabteilung. Einmal im Leben, zumal im falschen, auf der richtigen Seite stehen, in Selbstgeißelung zerfließen, sich einfühlen in das Objekt der Begierde, eins werden mit den Unterdrückten dieser Welt im antinomischen Rauschen der betonten, eigenen, tatsächlichen oder eingebildeten „Privilegien“. Ein kleines Stück Torte der Selbstvergewisserung in einer Bäckerei, die feindselig ist und sonst nur Ungewissheiten bereit hält. Einmal wenigstens das Gefühl haben, etwas richtig machen zu können, die Vorzüge eines geschlossenen Weltbildes erahnen, in den betroffenen Blicken des „Reflexionskreises“ dahin schmelzen und dabei das Gefühl genießen, die Unlust bereitende Tätigkeit des Denkens einzutauschen, gegen das lebenslange Versprechen, jederzeit über seine „privilegierte“ Stellung Auskunft zu geben und dies ganz schlimm zu finden, analog zum Argument der Erzieherin im Kinderhort, mit dem sie den Plagen den Spinat schmackhaft macht. Aber auch ganz materielle Bedürfnisse kann dieses „Forschungsfeld[es]“ (Fatima El-Tayeb) befriedigen. Die unzähligen „Trainings“, „Seminare“ und „Workshops“ wollen organisiert und geleitet werden, ganz idealistisch natürlich, nur gegen einen geringen Obulus namens Aufwandsentschädigung. Zur Befriedigung des Gewissens auch noch das der materiellen Bedürfnisse? Aber immer gern. Oder ist ein Doktortitel, ein Hausarbeitsthema oder eine Abschlussarbeit gefällig? Wie wäre es mit „Shaft vrs. Minority Report – Blackness and Whiteness in Hollywood Film“ (grin.com), einer Frage über die man dann gleich noch einen Vortrag beim nächsten Antira-Arbeitskreis halten könnte. Oder einen Beitrag für den nächsten Sammelband des universitären Zitierkartells? (1) Das ist doch eine win-win Situation + Empowerment, also triple-win. So kann man aus seinem paternalistischen Eintreten für die Armen dieser Welt auch noch eine erkleckliche Industrie machen.

2. „Critical Whiteness“ ist postmodern. Also Geschwätz. D.h. man kann ewig darüber reden und wird doch nie zu einem Ergebnis kommen. Das ist wiederum gut, denn siehe Punkt 1: Dann kann man auch endlos davon profitieren. Also will man auch gar nicht zu einem Ergebnis, gar einem Urteil kommen. Man gefällt sich schließlich als kritischer Diskursschuft. Im endlosen Universum von Knotenpunkten, Diskursen, Verflechtungen, Macht und  Diskriminierung gibt es viel zu entdecken, so dass die nächsten Forschungsgelder schon beantragt sind. Die nächste Fakultät der „Gender-Queer-Whiteness Studies“ mit Fokus auf „Able-“ und „Ageism“ ist sicherlich  in Gründung, da fragt die nächste bereits nach dem „Zusammenwirken verschiedener Herrschaftsmechanismen in der industriellen Tierhaltung“ (2). Dabei merkt man natürlich nicht, dass man selbst noch Foucault Unrecht tut, der ja immerhin wusste, dass er nichts aussagt und aussagen kann. Der wunderbare Begriff der „Diskriminierung“ passt hier wie Arsch auf Eimer. Er ist uferlos. Macht die Thematisierung von Diskriminierung bei Flüchtlingen etc. ja durchaus Sinn, zumindest aus humanitärer Sicht, wird es bei Alters- oder Tierdiskriminierung albern. Und wenn doch nicht, ist es nicht an der Zeit neue Diskriminierungsstrategien der Herrschaft aufzudecken? Die Diskriminierung im Supermarkt durch die schlecht gelaunte Kassiererin, der doofe Türsteher oder meine Freunde, die ihren Insiderwitz nicht mit mir teilen wollen (also gewaltförmige Macht- und Wissenshierarchien mir gegenüber)? Diskriminiert die Gesellschaft uns nicht alle? Und überhaupt: Wie verhält es sich mit transspezieistischer Diskriminierung; wenn meine Katze mich schon wieder ignoriert? Man ahnt, der Begriff der Diskriminierung ist zur Analyse von Gesellschaft völlig ungeeignet, man ahnt aber auch, es werden noch viele Bücher geschrieben und noch mehr Workshops und Empowerment-Seminare das Licht der Welt erblicken.

Denn genau so läuft es im (universitären) postmodernen „theoretisieren“, weder will man etwas wissen oder kritisch durchdringen, noch ein, gar politisches, Urteil fällen. Begriffslos arbeitet man sich an der Erscheinung ab ohne überhaupt dessen Konstitutionsbedingungen auch nur zu erwähnen und gefällt sich so im Verdoppeln des ohnehin schon schlechten Bestehenden. Genau das entspricht aber auch dem Anspruch einer neuen Laberwissenschaft: „Es ist an der Zeit, gegen die Weiße Normativität und ihre Tabuisierung in Rassismus. und Geschlechterforschung Widerspruch einzulegen.“ (3) formuliert Eske Wollrad ihr revolutionäres Programm der fundamentalen Kritik. Putzigerweise ist sie es auch, die den Autonomen ihr liebstes Mädchen weg nehmen will, Pippi Langstrumpf. (4) Das es gar nicht der Anspruch der „Critical Whiteness“ ist in irgendeiner Weise „Critical“ zu sein, darauf sei hier also explizit hingewiesen, weil dies ihnen unberechtigterweise gerade von Kritikern häufig unterstellt wird.

3. „Critical Whiteness“ ist unkritisch. Und zwar so gut es geht, fällt man hier doch noch hinter den schlimmsten antirassistischen Quatsch zurück, der immerhin nicht rein nominalistisch war, jedoch geradezu als Bewegung auf Rechnung und im höheren Interesse des Staates zu handeln schien. (5) Sucht man die rassistische Unmensch-Setzung an sich selbst zu fassen, ganz so als würde sich das Kapital abends bei einem Wein hinsetzen und zu konstruieren beginnen, ist „Critical Whiteness“ nur der folgerichtige „Dekonstruktionsversuch“, der doch nur die gedankliche Bewegung der völlig deformierten realen Subjekte nach zu zeichnen versucht und zu seiner „eigentlichen“ Bestimmung setzen möchte, ein Scheitern im ontologischen Rauschen. Die soziale Genesis, auf die die Begriffe verweisen wird ignoriert, davon kann man nichts wissen und möchte man auch gar, würde dies doch die eigenen Vorraussetzung des begriffslosen Herumdoktorens untergraben. Vielmehr wird so getan, als wären es die gesellschaftlichen Symptome, die sich selbst konstituieren: „Der ‚wissenschaftliche Sozialismus‘ lässt grüßen: bewaffnet mit der ‚richtigen Theorie‘ will man den Klassenfeind auf seinem eigenen Felde schlagen, indem man die Objektivität der Sache selbst besser darzustellen vermag. So wenig aber der Kommunismus darin bestehen kann, das Wertgesetz ‚richtig‘ anzuwenden, so wenig kann die Kritik des wissenschaftliche Denken für sich instrumentalisieren, ohne sich selbst, d.h. die Kritik aufzugeben.“ (6) „Critical Whiteness“ will gar nicht mehr, wie der gewöhnliche Antirassismus, die Menschen an ihr postuliertes Gleichheitsversprechen erinnern und dieses zur Geltung bringen (wobei genau jene Gleichheit, die der repressiven Vergleichung aller durch das Kapital, der Ursprung des Ausschlusses des Unmenschen ist – dies ist das Elend des Antirassismus). Was „Critical Whiteness“ so schwer zu kritisieren macht, ist seine grenzenlose Idiotie, selbst nicht einfach nur Ideologie zu sein, sondern ideologische Gegenideologie. Ideologische Zuschreibungen heraus zu kitzeln, darin zu baden und dabei zu meinen sie zu zerstören, während doch nicht viel mehr rauskommt als ein Menschenzoo, für den täglich neue Käfige zu bauen sind um noch die letzte „queere Muslima“ in einem Biotop des positiv gewendeten Kulturrassismus einsperren zu können, das ist die Essenz von „Critical Whiteness“.

Dabei wäre es doch einfach mal zu beachten, das die Konstitutionsbedingungen dieses Denkens selbst schon in Gefangenschaft stattfindet, der verschweissten Subjektivität des Staatsbürgersubjektes nämlich. Was man darf und was nicht, entscheidet nämlich gerade nicht der Rassismus, wie uns Eske Wollrad weiß-machen will, sondern die „repressive Egalität“ der totalitären Wertvergesellschaftung. (7) Und die basiert eben auf der negativen Gleichheit. Die Individuen, sind aber empirisch schon nicht gleich als Individuen, noch als Subjekte. Sie stehen als zwanghaft Gleiche in der Vertragsform ihrer subjektiven Ungleichheit und der Ungleichheit der Verhältnisse gegenüber. Das ist die Dauerkrise des völlig zerrissenen Subjekts. Aus der Krisenerfahrung dieser Konstellation heraus, der allmächtig über dem Subjekt, das sich verwerten muss, kreisenden Drohung der Entwertung, ergibt sich dann auch die Erklärung für den Lustgewinn an dem Ausschluß Anderer aus der Menschheit: „Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuum, integriert im barbarischen Kollektiv.“ (8) Die ontologische Differenz zwischen „dem Menschen“ und dem Begriff des Menschen ist es dabei, der den strukturellen Rassismus der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht. (9) Wesentlicher als die rassistische Flucht in die Natur des Unmenschen jedoch, ist die Flucht des Subjekts  in die Gegenoffensive der Vernichtung des Übermenschen, der Antisemitismus. Nicht mehr nur trachtet hierbei der Wahn nach Ausschluß, die die eigene Entwertung verhindern soll, sondern trachtet der Antisemitismus zu Liquidation, bei gleichzeitiger Aneignung der endlosen, krisenfreien gelungenen Akkumulation. Die Denkbewegung bleibt dabei so gleich wie die der „Critical Whiteness“: Ontologisierung des Falschen, bei gleichzeitig zwanghaftem Mitmachen und zur Tat schreiten. „Halbbildung, die im Gegensatz zur bloßen Unbildung das beschränkte Wissen als Wahrheit hypostasiert, kann den ins Unerträgliche gesteigerten Bruch von innen und außen, von individuellem Schicksal und gesellschaftlichem Gesetz, von Erscheinung und Wesen nicht aushalten.“ (10)

(1) Ich verweise hier auf meine beiden Lieblingstitel des Sammelbandes „Mythen, Masken und Subjekt“: „Die jüdische Nase: Sind Juden/Jüdinnen weiß? Oder: die Geschichte der Nasenchirugie“ (Sander L. Gilman) und „Als weiße Studierende in einer weißen Universität: erste Positionierung“ (Juliane Strohschein).

(2) Kein Witz, gab es echt: http://zusammenzumziel.blogsport.de/images/ZzZProgrammbersichtStand08.10..pdf

(3) Wollrad, Eske. Weißsein im Widerspruch, S. 13.

(4) http://www.bild.de/regional/leipzig/rassismus/leipziger-verein-geht-auf-pippi-langstrumpf-los-merkwuerdige-debatte-um-angeblichen-rassismus-in-kinderbuch-klassikern-20856460.bild.html#!

(5) Bruhn, Joachim. http://isf-freiburg.org/verlag/leseproben/bruhn-deutsch_lp.html

(6) ISF. Goldhagen und die Krise des wissenschaftlichen Denkens, in: Das Konzept Materialismus.

(7) Wollrad, Eske. Weißsein im Widerspruch, S. 52.

(8) Adorno/Horkheimer. Dialektik der Aufklärung, S. 178.

(9) vgl. Bruhn, Joachim. http://isf-freiburg.org/verlag/leseproben/bruhn-deutsch_lp.html

(10) Adorno/Horkheimer. Dialektik der Aufklärung, S. 205.

Bilder aus Maya Deren, „Meshes of the Afternoon“

Titel aus „Laßt mich doch in Ruhe“ von 4 Promille

Nils und Jenny, die dummen Akademiker

31 Okt

Oha, wer hätte gedacht, dass das Thema Mädchenmannschaft derart hohe Wellen schlägt? Ich meine, wen interessiert es denn überhaupt ob ein paar selbsternannte Netzfeministinnen und Nerd und NRDZ und wie sie sich alle nennen, nur weil sie mal einen WordPress-Blog selbst installiert und drei Socken zufälligerweise passend gestrickt haben, auch noch eine sicherlich sehr differenzierte und mit den aktuellen Apologeten der Postmoderne unterstützte Meinung in die arme Welt posaunen? Wen interessiert überhaupt dieser Blog (ja, ich benutze den männlichen Artikel, den unbestimmten finde ich albern und auch der männliche steht im Duden)? Nein das frage ich ich nicht wirklich, dazu ist diese Seite auch gar nicht dar.

Na, aber wo drückt denn nun der Schuh? Was ist so schlimm daran, dass Menschen sich über euch lustig machen? Schließlich macht sich stop.talk auch über einen gewissen Nils lustig, leider ohne auch nur ein einziges Argument zu nennen. Und sie hat recht, nicht indem sie kein Argument nennt, sondern indem sie sich über Nils lustig macht. Das ist auch nicht so schwer, schließlich ist ein Nils wirklich das alleruncoolste. Er hält sich selbst für den Oberschlauen, wobei doch schon jedem Vollidioten in der Grundschule eingetrichtert wird, bist du Philosoph oder Informatiker, kannst du schon genetisch kein Skateboard fahren und bekommst ein paar aufs Maul. So sicherlich auch bei Nils geschehen, aber er hat ja Internet und da kann man ja alles, wahrscheinlich auch virtuell Skateboard fahren. Aber wen interessiert Nils? Der soll es in seine Ingenieurgesellschaft machen, da kann er dann mit den anderen Lemmingen über die Fußballergebnisse schwadronieren, über seine Frau ablästern, sich Erziehungstipps holen, sein Leben verfluchen und Wolfskinjacken bestellen, die er auf dem Weg vom Einfamilienhaus zum Rewe nicht brauchen wird. Aber Nils hat noch ein Hobby und zwar eines, dass ihn von seinen Kritikern nicht Unterscheidet. Er bloggt gerne seinen Gedankenmüll, mal macht er auch ein Video daraus, denn so digital, da fühlt sich einer wie Nils richtig wohl.

Und da treffen sich Nils und stop.talk (warum soll ich nicht mehr reden?) dann auch, sie sind beide strunzenhohl, haben keinerlei Argumente vor zu weisen und bloggen gerne ihren Kopf frei, ohne zu merken, dass dies jener vorher schon war. Jenny sagt Muslime sind verschleiert, fliegt beim Mädchenparadies raus, Jasmin begehrt dagegen auf, fliegt auch raus, alle so „boah, krass“, Jungle World schreibt was, alle so „boah krass“, muss man doch was machen und so, einen Tag später all die Blogs der Cyndies, Mandys und Jennies und so voller Stellungnahmen, Critical Whiteness muss man doch so und so verstehen, verstehste? Und alle so ne, versteh ich ich nicht, sie sich so noch mehr unverstanden gefühlt, schreit: Aber die PoC und so, und so weiter und so fort. Na, bei dem ganzen Blödsinn denkt sich Nilsi natürlich ich bin ein ganz schlauer. Keine Ahnung, vielleicht hatte er ja auch was mit einer von den Irren und muss jetzt alte Rechnungen begleichen. Jedenfalls Nils dann so, komm ich mach nen Video und irgendwas mit Hitler, geht immer und verstehen die Deutschen auch. Stimmt. Nur hat es keiner gesehen ausser der schon erwähnten Jenny, Mandy und Co Brigade. Nun, die wiederum, machen daraus einen Skandal und damit ist alles erledigt. Jenny hasst Nils und umgekehrt und ihre Freundinnen sowieso. Toll. Spielt sich auf jedem Dorf so ab, auch ohne Anspruch – nicht auch, sondern Gott sei Dank!

Was ich eigentlich sagen will und wofür ich schon viel zu viel geschrieben habe, ist, dass es mich gar nicht interessiert. Ehrlich nicht. Naja ein bißchen schon, weil ich immer auf der Suche bin, nach Menschen, die noch dümmer sind als ich. Aber prinzipiell nicht. Nils Sloterdijk, alter Informtikergott und stop.talking, alte Besserwisserin ohne Argument, ich wünsche euch beiden das Schlechteste, denn ihr habt ein reines Gewissen, seid euch selbst sicher, braucht nichts mehr hinterfragen und habt keinen Begriff von Gesellschaft. Darin seit ihr euch einig, im Guten, wie im meinungsfreudigen Schlechtem.

Achso, ja. Das möchte ich von Nils übernehmen: TRIGGERWARNUNG! Der vorausgegangene Text könnte Sie mit Ihrer Dummheit konfrontieren!

Diskriminierungsweltmeisterschaft

26 Okt

Ja, richtig gelesen. Diskriminierungsweltmeisterschaft. Gesucht wird DER am meisten diskriminierte Mensch, da wo finden kann. Nicht von mir, selbstverständlich, aber von den Kolloquien grenzdebiler Dozenten, gendersensiblen Zirkeln, auskotz-Webseiten für frustrierte Spätpupertäre und Möchtegernrebellen. Pardon, Möchtegernrebell_***Innen. Der Legende nach hat es sich zugetragen, nicht nur auf dem „No-Border Camp Köln„, als gewitzte Berliner,  ihre ganz eigene Welt auch den armen Flüchtlingen, die sich doch nur einmal in Ruhe Grillen wollten, autoritär überstülpten und jedes Gedankenverbrechen verfolgten, ganz im Sinne Henry Fords und seiner Geheimpolizei für die proletarischen Arbeiter, die verbotenen sexuellen Praktiken und den Alkoholkonsum verfolgten. Dass all diese „Verbrechen“ als solche in den „Protokollen der Waisen von Zion“ ausgewiesen werden, ist wohl kein Zufall. Aber zurück zum Thema.

Nach Köln kommt bekanntlich Berlin und der dort ansässige Klub dauerbeleidigter-als-männlich-sozialisierte-hassender-Schreiberlingerinnen, die Rede ist von dem Blog „maedchenmannschaft„, hat sich einem Bericht der „Jungle World“ nach, an dem irren Streitthema „Critical Whiteness“, mit dem schon die Gender-Spezialisten von „Reclaim Society“ („reclaim society! möchte unterdrückende Normen und Systeme angreifen und hat in bildungspolitischer Arbeit einen Kontext gefunden, in dem durch Inputs, Workshops und dem Organisieren von Veranstaltungen, Rassismus als Teil von weißer Vorherrschaft markiert und bekämpft werden kann.“) versucht haben dunkelhäutigen Menschen den Mund zu verbieten, zerstritten. So weit so gut, nur den unsäglichen Blog der „maedchenmannschaft“ gibt es immer noch und „Critical Whiteness“ ist leider immer noch ein Dauerbrenner im linken Milieu. Aber wie kam es zu dieser Verwerfung?

Laut der Legende kam es auf dem „Slutwalk“ in Berlin dazu, als Feministinnen völlig zu Recht die archaischen Methoden des Islam anprangerten, Frauen zu Gebärmaschinen und in den privaten Bereich zu drängen, indem sie ihnen ein mobiles Gefängnis namens Verschleierung überzwingen. Den feinen Damen der nun wortführenden Abteilung der „maedchenmannschaft“ war das natürlich ein Dorn im Auge, den ganz auf Identität, also Blut-und-Boden geeichten Genderdeminarbesucherinnen ist es nämlich nicht vorstellbar, wie nicht-muslime eine muslimische Praktik kritisieren können. Im postmodernen Denken ist „die Menschheit“ nämlich eine unzulässige Verallgemeinerung, schließlich muss man ja jede „Kultur“ tolerieren, so denn sie nicht aus Europa kommt und sich einen subalternen Anstrich gibt. Während man nicht über Frauen aus Saudi-Arabien Sprechen darf, weil diese ja ihre eigene Kultur haben und schon was sagen würden, wenn der Saudi-Arabische Patriarch sie denn lässt, ist ein derartiges Problem, universell für die Menschheit und andere Vernunftwesen zu sprechen und ihre Unterdrückung anzuprangern, in einem anderen Bereich kein Problem.

Für Tiere und „die Umwelt“ das Wort zu erheben, eine Leistung die dem Menschen nur aus Vernunft und als Vernunftwesen möglich ist, was richtig ist und eben den Menschen vom Tier abhebt und gerade auch das Argument ist, warum es möglich ist für andere Menschen einzutreten und ihre „Befreiung“ zu fördern/fordern. Diesen eklatanten Unterschied merkt man natürlich nicht mehr, hat man sich an der Uni von Judith Butler, Lyotard und Derrida das Gehirn vernebeln lassen.

Die Aktion ging übrigens von der ukrainischen Gruppe „Femen“ aus, so die Legende weiter. Einer Gruppe, die man bekloppt finden kann wie man will, schließlich haben sie weder zur großrusslandfreundlichen-Band „Pussy Riot“ eine Distanz, noch haben sie von Kapitalismus auch nur einen blassen Schimmer. Dennoch haben sie den Genderfaschisten eins voraus, sie haben universelle Vorstellungen der Menschheit und artikulieren diese, fernab jedes Kulturrelativismus.

Nun mag man postmodern raunen, dass diese „sluts“ sich nur entblößen und es „der männliche Blick“ ist, der Gefallen an dieser Aktionsform findet, weil er blanke Brüste zu Gesicht bekommt. Dabei verhält es sich genau andersrum. Die Burka ist der Inbegriff von Macht, ein erzwungenes, auf Repression basierendes Kleidungsstück, während das Zeigen der Brüste von „femen“ zwar aus medienpolitischem Kalkül erfolgt, aber niemand dazu gezwungen wird , sondern eine selbstbestimmte Art des Protestes ist, die man scheiße oder toll finden kann, die ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt der angesprochenen Themen.

Das Thema „Diskriminierung“ ist dabei aber noch nicht abgeschlossen. Schließlich gibt es sie. Nur macht es einen Unterschied, ob sie von den örtlichen Gewaltherrschern verordnet wurde oder sie rechtsstaatlich unter Strafe steht. Bei ersterem ist es einfach ein anachronistischer Skandal, bei zweiterem gilt es sie mit dem Gesetz zu bekämpfen und dieses somit zur Geltung zu bringen. Wohlwissend, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft nie jemand zu seinem Recht kommen wird, ausser der Vertragsfähigkeit.Während man hierzulande, insbesondere am Institut der örtlichen Gender-Studies den subalternsten Menschen, den Diskriminiertesten sucht, denjenigen, auf den die meisten hektisch herbeihalluzinierten (eigenen) Ressentiments passen, versuchen andere das Ganze in Blick zu nehmen, haben einen Begriff der universalen Menschheit und werden von beiden angefeindet, den Genderfaschisten der

„maedchenmannschaft“ und den (politischen) Moslems. Dann lieber „femen“, Liberale und vor allem kritischer Materialismus.

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