Tag Archives: Ideologie

Wahnmache in Braunschweig

17 Nov

Ein Artikel über die auch in Braunschweig ansässigen „Montagsmahnwache“ war längst überfällig. Nur wie macht man das? Zum einen sind deren Protagonisten so verrückt, dass man in Schwierigkeiten gerät gerät will man sie kritisieren, weil jede Lüge und jeder Aberglaube an sich schon substanzlos ist, zum anderen stellt sich die Frage, ob eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihnen, den geltungsbedürftigen Friedensfreunden nur zusätzliche Aufmerksamkeit schenkt. Hielte man etwas davon, sie wären ein Fall für das örtliche Bündnis gegen Rechts oder eine angeschlossene Antifa-Gruppe, zumindest aber bürgerliche Organisationen müssten diesem Treiben ein Ende bereiten oder sich zumindest deutlich von den Verfolgungswahnsinnigen distanzieren und die Sache wäre erledigt. Die aber haben scheinbar besseres zu tun, oder schlimmer, teilen inhaltliche Punkte. Stattdessen  geben sich alle die Klinke in die Hand und es kommt zu den, auf den ersten Blick, obskursten Zusammenkünften.

Wo von „Zinsknechtschaft“ die Rede ist, von einer „verdummenden Spaßgesellschaft“, von tödlichen Impfungen und obskuren „Chips“ die ins Essen getan werden, von einem „Imperialismus“ des Westens und natürlich von Israel, von „Frühsexualisierung“ und einer schadhaften „Vergnügungssucht“ und selbstverständlich einem „Geldsystem“, dass (oh Wunder) nicht den Menschen nutzt, da kommt womöglich zusammen, was zusammen gehört.

Die NPD war schon da, der Recherche Blog 38, der sich wiederum nur an den anwesenden Proll-Nazis störte, islamistische Jugendliche, die Werbung für ihren Vernichtungsfeldzug gegen Juden und für eine islamistische Türkei machen durften, der Helmstedter „Infokrieger“-Depp Jens Blecker und wenn es um „Frieden“ und „Braunschweig“ geht, darf natürlich ein verwirrter ehemaliger Arzt nicht fehlen, der jeden mit E-Mails von Uri Avneri zubommt, dessen Mail-Adresse er ausfindig machen kann. Dazwischen lauter Barfuss-Hippies, alte dicke  Frauen die furchtbare Lieder krächzen, Veganer, Gesellianer, Tauschring- und lokale Währungs-Spinner, Bäumeumarmer, Selbstversorger, Betroffenheitsweltmeister, Putin-Fans, verwirrte Mütter und Jugendliche, Konsumkritiker und Gutmenschen. Es handelt sich bei dieser Braunschweiger Montagswahnmache tatsächlich um die stinkende, traurige Kloake einer Mischpoke aus abgehängten Verlierern, die nicht mal in den sonst für solche soziopathischen Fälle vorgesehenen Vereinen und Institutionen, wie der Linken, dem Friedenszentrum, dem Friedensbündnis, den unzähligen Öko-Spinnerbanden oder eben der örtlichen Kameradschaft aufgehen konnten.

Und so kam es, dass sie, beeinflusst durch antisemitische und neurechte Koryphäen wie „Ken Jebsen“ oder „Jürgen Elsässer“, dumpfbacke „Sven Mährholz“ oder attac-Genie „Pedram Shayar“, ihre eigene traurige Veranstaltung in Braunschweig gründeten.

Auf die Personen, wie den wirklich nett wirkenden „Rick“, der die Veranstaltung moderiert, oder den übergewichtigen, freundlichen Onkel „Olli“, der trotz seiner stolzen Plautze und seiner nach eigenen Angaben „noch nicht ganz perfekten Ernährungsweise“ gerne mal die Besucher des Cafes „X-Trend“ dazu auffordert so bewusst zu essen wie er, wird eventuell noch einzugehen sein.

Der hiermit angekündigte nächste Beitrag über die Montagswahnmache in Braunschweig wird sich jedoch einer Protagonistin zuwenden, die entgegen der meisten sehr irren, aber substanzlosen Reden, ziemlich konkret, wenn auch vermutlich unfreiwillig, den autoritären, zwanghaften und vor allem hasserfüllten Charakter dieser Veranstaltungen und die psychische Disposition der Teilnehmer offenbart: „Zeynebs“ Rede über den Islam. Sie zeigt wie keine andere gehaltene Rede auf dieser Veranstaltung was die Teilnehmer eint, was die Ideologie der „Montagsmahnwachen“ ist und was den Islam so anziehend macht wie andere rechtsextreme Bewegungen:

1) Unverständnis der Funktionsweise der Welt gegenüber

2) aus diesem Unverständnis heraus geborener Hass auf alles Abstrakte

3) die Konkretisierung dieses Abstrakten in den „Herrschenden“, ausgesprochen in den „Juden“, „Zionisten“ oder eben „Israel“

Erscheint in den kommenden Wochen.

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Muslimah_*Pride

11 Apr

FEMEN-Protests-For-Topless-Jihad-And-Amina-TylerNicht erst seit heute Morgen ist „Stolz“ ein recht verdächtiges Wort, das einen zumindest stutzig werden lassen sollte. Nicht weil es schlimm ist, auf etwas stolz zu sein, sei es das selbstgebaute Modellauto, die Einrichtung der Wohnung, in der man sich besonders wohl fühlt oder die gute Zeit beim letzten Stadtlauf. Nein, vielmehr macht sich verdächtig wer mit seinem Stolz hausieren geht, ihn anderen Menschen auf die Nase bindet und ihn, anstatt ihn einfach zu genießen und sich von seinen Freunden bestaunen zu lassen, überall, aber auch wirklich überall herumposaunen muss. Dieses Symptom lässt durchaus durchblicken, dass es sich beim Herumposauner im besten Falle um einen mittelgroßen Angeber handeln muss, der seine Minderwertigkeitskomplexe mit eben jenem Stolz-Gejohle zu übertrumpfen versucht, im schlimmsten Falle aber um einen verkalkten Ideologen, der seine Minderbemittelung und innere Verhärtung, sowie jegliche Reflexion aufgefüllt hat mit nichts als purem Stolz. Das konnte man ja vor vielen Jahren gut an den bemitleidenswerten Dorfnazis in lächerlichen Outfits sehen, die neben der billigsten Bomber und dem billigsten Bier auch immer Geld über hatten für einen „Ich bin Stolz ein Deutscher zu sein“-Button. Bemitleidenswert, aber bösartig.

 

In der Reaktion auf einen „Femen“-Auftritt, wie immer auch nicht ganz helle (aber immerhin ohne Hakenkreuz), dafür aber mit Titten, gab es eine weltweite Gegenkampagne von Muslim_*Innen und solchen, die es noch werden wollen unter dem Motto „muslimahpride“. Was war passiert? Ein paar Anhängerinnen dieser ominösen Femen-Bewegung hatten sich vor einer Berliner Moschee entkleidet und Schilder hoch gehalten, auf denen etwa „Fuck your Morals“ „Arab Woman against Islamism“ und „Freedom to all Woman“ stand. Das ganze war eine Solidaritätsveranstaltung für eine in Tunesien von Peitschenhieben und ähnlichen Strafen bedrohte Frauenaktivistin, die ominöserweise einige Tage verschwunden war und von ihrer Familie für geisteskrank erklärt wurden war.

 

16649-1365283322Die moslemische Stolz-Maschine lief natürlich sofort zum Gegenangriff über und unzählige Bilder von Musliminnen fluteten die „social network“ genannten Sammelbecken für Nonsens. Nun mag man von „Femen“ halten was man möchte, sie hatten aber scheinbar einen wunden Punkt getroffen. Die weiblichen und männlichen muslimischen Eiferer übertrumpften sich damit zur Schau zu stellen, wie stolz und frei man sei. „Meine Burka ist meine Krone, ich bin sehr stolz auf sie“ hieß es da oder eben „Ich bin eine stolze Muslimah, ich brauche keine Befreiung“. Und ähnlich wie bei den bemitleidenswerten Dorfnazis verwundert doch auch bei dieser Kampagne, wie tief das Bedürfnis sitzt, anderen mitteilen zu müssen, wie stolz und zufrieden man sei. Abgesehen davon, dass die Rolle der Frau im Islam sehr wohl mit „Stolz“ und „Ehre“ fest verankert ist, nur nicht als Individuum, sondern als übersexualisierte, verschleierte Gebärmaschine für die Umma und zur Besänftigung der Triebe der Männer, also als Form autoritärer Unterordnung, wie es allen Ideologien gemein ist, ist es dann doch erstaunlich, wieviel Hass und Ressentiment geschürt wird, wenn „Femen“ blank zieht und Freiheit für alle Frauen fordert.

 

Letztendlich muss man sich dann auch gar nicht mehr fragen, warum die „Muslimahpride“-Idioten gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass es ursprünglich um eine mit Tode bedrohte Aktivistin in Tunesien ging, dass es um die fürchterliche Behandlung um Frauen und Mädchen in den arabischen Ländern geht. Ginge es „Muslimahpride“ tatsächlich darum, der paternalistischen Vereinnahmung durch „Femen“ zu widersprechen, müsste man doch umso mehr den Islam und die Scharia kritisieren und verbannen, vielleicht auch provozieren, etwa durch nackte Brüste. So aber bleibt der Stolz, was er immer schon war, positiv umgelogener Neid und das Kopftuch der TAZ darf auch noch rumgiften und von moslemischen Feministinnen fabulieren, die es zwar geben mag, die aber keine Stimme haben und durch „Muslimahpride“ erneut mundtot gemacht wurden.

Wer zweimal mit derselben pennt…

5 Dez

Sookee_c_Mario_Thieme021Tja, wo soll man da eigentlich anfangen? Dass man sich schon wieder mit diesem Ekelthema der Genderverseuchten, ich-bin-ja-so-bunt-und-anders-und-viele-Geschlechter Aufklärungsverweigerer herumschlägt? Dass man sich Leute zur Brust nehmen muss, weil ihr schlechtes Gewissen dermaßen nach linksliberaler, missionierender Claudia Roth stinkt, dass man den Geruch einfach nicht ignorieren kann? Dass man über eine Veranstaltung abkotzen muss, die der neostalinistische „SDS“ veranstaltet hat, ohne groß auf die weiteren Themen dieses „Kongresses“, der den bescheuerten Titel „Kapitalismus vs. Demokratie“ (Elsässer lässt grüßen) trägt, eingehen kann, der auch Veranstaltungen für das vegane, von Mama gedrehte Dreadlock-Publikum in petto hatte, wie „Arbeiterklasse oder Multitude? Wer macht die Revolution?„, „Islam. Neues Feindbild nach dem Kommunismus?“ und „Afghanistan, Iran und Syrien – Wo bleibt die Antikriegsbewegung“ oder natürlich die obligatorischen Beiträge angehender rückverdummter Hilfswissenschaftler wie Olaf Sanders, der sich mit „Gilles Deluzes Konzept von Widerstand und Bildung“ beschäftigt? Bei so einer Linken bedarf es nun wahrlich keiner Rechten mehr.

Nunja, aber fange wir damit an (und enden auch damit, damit keiner irre wird), dass sich die super-aufgeklärte-anti-homophobe-Aktion ich-habe-so-eine-andere-Frisur-und-bin-auch-ganz-alternativ-möchtegern-Rapperin-nur-ich-hab-nichtmahl-Judith-Butler-gelesen-PoMo-bin-aber-schwer-betroffen-und-es-verletzt-mich-so-und-von-Feminismus-hab-ich-auch-mal-was-gehört Sokee sich mit dem nun wahrlich nicht intellektuellen Maxim von K.I.Z. an einen Tisch setzt und sie – ja über was nochmal – diskutieren. Zuerst drängt sich natürlich dem/der kritischen Leser_**__IN auf, was wohl Noa Sow zu diesem gar völlig weissen Podium sagt und dann noch zu einem Thema, das Weisse doch nur von Schwarzen okkupiert haben! Also wirklich, wie hieß das nochmal, Kulturkannibalismus oder so? Das geht doch nicht! Ein wenig mehr praktische critical whiteness awareness mahnte an dieser Stelle nicht nur der allzeit Sendungsbewusste Mann vom Fach und Bambi-Zertifizierte Quoten-wunder-Integrierte Bushido an, der seit neuestem den österreichischen Migranten miemt und in einer auf den 13. August 1920 Bezug nehmenden Exegese, als Vollintegrierter, die Auslöschung Israels einfordert. Willkommen in der Volksgemeinschaft an dieser Stelle und somit wäre auch der Rassismus der Deutschen konterkariert.

Aber zurück zum „Podium“ Genderfaschisten gegen vulgär-Soziologen-Maxim. Warum die „Diskussion“ über 90 Minuten ging ist unerklärlich. Wer ein Gehirn hat, fürMaxim_KIZ_JUICE_CHRISTOPHVOY den war klar, dass nach zehn Minuten alles gesagt war und sich ab diesem Zeitpunkt nur noch wiederholte. Das aus dem universitären Alltag geschulte Publikum schaffte es dann auch tatsächlich, wie in der Uni, die gleiche Frage/Anmerkung eine Stunde lang in neuen Wörtern neu zu stellen um die gleichen Antworten zu bekommen. Das traurige daran: Eigentlich waren die ersten Minuten gar nicht so schlecht. Maxim erklärte, dass er Nominalismus langweilig und falsch findet und lieber nach der sozialen Exegese der Begriffe fragt und wie diese zustande kommen. Das ganze verarscht er in seinem Raps, indem er mit den Begriffen spielt und Rap macht er auch nur aus Langeweile und weil man Geld damit verdienen kann. Zudem will er nicht missionieren, nicht mit dem Zeigefinger sagen, was richtig und was falsch ist. Das ist gleichzeitig auch sein Begriff von Kunst, vom Inhalt abstrahieren und etwas originelles machen, was man vielleicht auch noch gut kann – und das stimmt für K.I.Z. ja sehr wohl, ob man deren pubertären Texte jetzt mag oder nicht. Sokee dagegen findet das alles ganz schrecklich, „Fotze“ darf man nicht sagen (das war immerhin in der RAF noch ganz anders) , „Vergewaltigung“ sagen ist auch ne Vergewaltigung, zumindest gibt es dazwischen keinen Unterschied, dass das eine Gesagt und das andere unter körperlicher Gewalt vollzogen wird sieht sie nicht ein und Gesellschaft wird durch Begriffe erst diskursiv erschaffen usw. und so fort… Zudem meint sie, jeder habe andere Rezeptionstrategien, kann aber leider nicht sagen was das heissen soll.

Alles in allem also genau der Widerspruch, der zwischen materialistischer Kritik und postmodernem Awareness-Quatsch besteht. Auf der einen Seite das postmoderne „doofe Gefühl“, welches keine Wahrheit kennt, auf der anderen der Versuch den Begriff zu schärfen und kritisch zu verwenden. Mittelbare Praxis gegen die Kritik, die sich der Unmittelbarkeit bewusst ist. Das gleiche Dilemma findet sich ja in der Kunst zuhauf. Kunst, so Maxim muss schön sein – während Sokee ihren Quetschenpaua-Zeigefinger-Ich-bin.ja-so-reflektiert-Sozialarbeiterquatsch gar nicht mehr als Kunst sieht. Stimmt. Es ist nichtmal Propaganda, es ist nur Scheiße, die das reflexionslose Gefühl nährt auf der richtigen Seite zu stehen.

via Anthraxit

Obligatorisches Rummgejammer Proletin

„Lasst mich doch in Ruhe, mit eurer Politik…“- Drei Thesen zu „Critical Whiteness“

4 Nov

Drei Thesen zu „Critical Whiteness“, gewidmet insbesondere accalmie, die mir sehr höflich begegnet ist.

1. „Critical Whiteness“ erfüllt Bedürfnisse. Ist zeitgemäßer Okkultismus mit angeschlossener Wohlfühlabteilung. Einmal im Leben, zumal im falschen, auf der richtigen Seite stehen, in Selbstgeißelung zerfließen, sich einfühlen in das Objekt der Begierde, eins werden mit den Unterdrückten dieser Welt im antinomischen Rauschen der betonten, eigenen, tatsächlichen oder eingebildeten „Privilegien“. Ein kleines Stück Torte der Selbstvergewisserung in einer Bäckerei, die feindselig ist und sonst nur Ungewissheiten bereit hält. Einmal wenigstens das Gefühl haben, etwas richtig machen zu können, die Vorzüge eines geschlossenen Weltbildes erahnen, in den betroffenen Blicken des „Reflexionskreises“ dahin schmelzen und dabei das Gefühl genießen, die Unlust bereitende Tätigkeit des Denkens einzutauschen, gegen das lebenslange Versprechen, jederzeit über seine „privilegierte“ Stellung Auskunft zu geben und dies ganz schlimm zu finden, analog zum Argument der Erzieherin im Kinderhort, mit dem sie den Plagen den Spinat schmackhaft macht. Aber auch ganz materielle Bedürfnisse kann dieses „Forschungsfeld[es]“ (Fatima El-Tayeb) befriedigen. Die unzähligen „Trainings“, „Seminare“ und „Workshops“ wollen organisiert und geleitet werden, ganz idealistisch natürlich, nur gegen einen geringen Obulus namens Aufwandsentschädigung. Zur Befriedigung des Gewissens auch noch das der materiellen Bedürfnisse? Aber immer gern. Oder ist ein Doktortitel, ein Hausarbeitsthema oder eine Abschlussarbeit gefällig? Wie wäre es mit „Shaft vrs. Minority Report – Blackness and Whiteness in Hollywood Film“ (grin.com), einer Frage über die man dann gleich noch einen Vortrag beim nächsten Antira-Arbeitskreis halten könnte. Oder einen Beitrag für den nächsten Sammelband des universitären Zitierkartells? (1) Das ist doch eine win-win Situation + Empowerment, also triple-win. So kann man aus seinem paternalistischen Eintreten für die Armen dieser Welt auch noch eine erkleckliche Industrie machen.

2. „Critical Whiteness“ ist postmodern. Also Geschwätz. D.h. man kann ewig darüber reden und wird doch nie zu einem Ergebnis kommen. Das ist wiederum gut, denn siehe Punkt 1: Dann kann man auch endlos davon profitieren. Also will man auch gar nicht zu einem Ergebnis, gar einem Urteil kommen. Man gefällt sich schließlich als kritischer Diskursschuft. Im endlosen Universum von Knotenpunkten, Diskursen, Verflechtungen, Macht und  Diskriminierung gibt es viel zu entdecken, so dass die nächsten Forschungsgelder schon beantragt sind. Die nächste Fakultät der „Gender-Queer-Whiteness Studies“ mit Fokus auf „Able-“ und „Ageism“ ist sicherlich  in Gründung, da fragt die nächste bereits nach dem „Zusammenwirken verschiedener Herrschaftsmechanismen in der industriellen Tierhaltung“ (2). Dabei merkt man natürlich nicht, dass man selbst noch Foucault Unrecht tut, der ja immerhin wusste, dass er nichts aussagt und aussagen kann. Der wunderbare Begriff der „Diskriminierung“ passt hier wie Arsch auf Eimer. Er ist uferlos. Macht die Thematisierung von Diskriminierung bei Flüchtlingen etc. ja durchaus Sinn, zumindest aus humanitärer Sicht, wird es bei Alters- oder Tierdiskriminierung albern. Und wenn doch nicht, ist es nicht an der Zeit neue Diskriminierungsstrategien der Herrschaft aufzudecken? Die Diskriminierung im Supermarkt durch die schlecht gelaunte Kassiererin, der doofe Türsteher oder meine Freunde, die ihren Insiderwitz nicht mit mir teilen wollen (also gewaltförmige Macht- und Wissenshierarchien mir gegenüber)? Diskriminiert die Gesellschaft uns nicht alle? Und überhaupt: Wie verhält es sich mit transspezieistischer Diskriminierung; wenn meine Katze mich schon wieder ignoriert? Man ahnt, der Begriff der Diskriminierung ist zur Analyse von Gesellschaft völlig ungeeignet, man ahnt aber auch, es werden noch viele Bücher geschrieben und noch mehr Workshops und Empowerment-Seminare das Licht der Welt erblicken.

Denn genau so läuft es im (universitären) postmodernen „theoretisieren“, weder will man etwas wissen oder kritisch durchdringen, noch ein, gar politisches, Urteil fällen. Begriffslos arbeitet man sich an der Erscheinung ab ohne überhaupt dessen Konstitutionsbedingungen auch nur zu erwähnen und gefällt sich so im Verdoppeln des ohnehin schon schlechten Bestehenden. Genau das entspricht aber auch dem Anspruch einer neuen Laberwissenschaft: „Es ist an der Zeit, gegen die Weiße Normativität und ihre Tabuisierung in Rassismus. und Geschlechterforschung Widerspruch einzulegen.“ (3) formuliert Eske Wollrad ihr revolutionäres Programm der fundamentalen Kritik. Putzigerweise ist sie es auch, die den Autonomen ihr liebstes Mädchen weg nehmen will, Pippi Langstrumpf. (4) Das es gar nicht der Anspruch der „Critical Whiteness“ ist in irgendeiner Weise „Critical“ zu sein, darauf sei hier also explizit hingewiesen, weil dies ihnen unberechtigterweise gerade von Kritikern häufig unterstellt wird.

3. „Critical Whiteness“ ist unkritisch. Und zwar so gut es geht, fällt man hier doch noch hinter den schlimmsten antirassistischen Quatsch zurück, der immerhin nicht rein nominalistisch war, jedoch geradezu als Bewegung auf Rechnung und im höheren Interesse des Staates zu handeln schien. (5) Sucht man die rassistische Unmensch-Setzung an sich selbst zu fassen, ganz so als würde sich das Kapital abends bei einem Wein hinsetzen und zu konstruieren beginnen, ist „Critical Whiteness“ nur der folgerichtige „Dekonstruktionsversuch“, der doch nur die gedankliche Bewegung der völlig deformierten realen Subjekte nach zu zeichnen versucht und zu seiner „eigentlichen“ Bestimmung setzen möchte, ein Scheitern im ontologischen Rauschen. Die soziale Genesis, auf die die Begriffe verweisen wird ignoriert, davon kann man nichts wissen und möchte man auch gar, würde dies doch die eigenen Vorraussetzung des begriffslosen Herumdoktorens untergraben. Vielmehr wird so getan, als wären es die gesellschaftlichen Symptome, die sich selbst konstituieren: „Der ‚wissenschaftliche Sozialismus‘ lässt grüßen: bewaffnet mit der ‚richtigen Theorie‘ will man den Klassenfeind auf seinem eigenen Felde schlagen, indem man die Objektivität der Sache selbst besser darzustellen vermag. So wenig aber der Kommunismus darin bestehen kann, das Wertgesetz ‚richtig‘ anzuwenden, so wenig kann die Kritik des wissenschaftliche Denken für sich instrumentalisieren, ohne sich selbst, d.h. die Kritik aufzugeben.“ (6) „Critical Whiteness“ will gar nicht mehr, wie der gewöhnliche Antirassismus, die Menschen an ihr postuliertes Gleichheitsversprechen erinnern und dieses zur Geltung bringen (wobei genau jene Gleichheit, die der repressiven Vergleichung aller durch das Kapital, der Ursprung des Ausschlusses des Unmenschen ist – dies ist das Elend des Antirassismus). Was „Critical Whiteness“ so schwer zu kritisieren macht, ist seine grenzenlose Idiotie, selbst nicht einfach nur Ideologie zu sein, sondern ideologische Gegenideologie. Ideologische Zuschreibungen heraus zu kitzeln, darin zu baden und dabei zu meinen sie zu zerstören, während doch nicht viel mehr rauskommt als ein Menschenzoo, für den täglich neue Käfige zu bauen sind um noch die letzte „queere Muslima“ in einem Biotop des positiv gewendeten Kulturrassismus einsperren zu können, das ist die Essenz von „Critical Whiteness“.

Dabei wäre es doch einfach mal zu beachten, das die Konstitutionsbedingungen dieses Denkens selbst schon in Gefangenschaft stattfindet, der verschweissten Subjektivität des Staatsbürgersubjektes nämlich. Was man darf und was nicht, entscheidet nämlich gerade nicht der Rassismus, wie uns Eske Wollrad weiß-machen will, sondern die „repressive Egalität“ der totalitären Wertvergesellschaftung. (7) Und die basiert eben auf der negativen Gleichheit. Die Individuen, sind aber empirisch schon nicht gleich als Individuen, noch als Subjekte. Sie stehen als zwanghaft Gleiche in der Vertragsform ihrer subjektiven Ungleichheit und der Ungleichheit der Verhältnisse gegenüber. Das ist die Dauerkrise des völlig zerrissenen Subjekts. Aus der Krisenerfahrung dieser Konstellation heraus, der allmächtig über dem Subjekt, das sich verwerten muss, kreisenden Drohung der Entwertung, ergibt sich dann auch die Erklärung für den Lustgewinn an dem Ausschluß Anderer aus der Menschheit: „Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuum, integriert im barbarischen Kollektiv.“ (8) Die ontologische Differenz zwischen „dem Menschen“ und dem Begriff des Menschen ist es dabei, der den strukturellen Rassismus der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht. (9) Wesentlicher als die rassistische Flucht in die Natur des Unmenschen jedoch, ist die Flucht des Subjekts  in die Gegenoffensive der Vernichtung des Übermenschen, der Antisemitismus. Nicht mehr nur trachtet hierbei der Wahn nach Ausschluß, die die eigene Entwertung verhindern soll, sondern trachtet der Antisemitismus zu Liquidation, bei gleichzeitiger Aneignung der endlosen, krisenfreien gelungenen Akkumulation. Die Denkbewegung bleibt dabei so gleich wie die der „Critical Whiteness“: Ontologisierung des Falschen, bei gleichzeitig zwanghaftem Mitmachen und zur Tat schreiten. „Halbbildung, die im Gegensatz zur bloßen Unbildung das beschränkte Wissen als Wahrheit hypostasiert, kann den ins Unerträgliche gesteigerten Bruch von innen und außen, von individuellem Schicksal und gesellschaftlichem Gesetz, von Erscheinung und Wesen nicht aushalten.“ (10)

(1) Ich verweise hier auf meine beiden Lieblingstitel des Sammelbandes „Mythen, Masken und Subjekt“: „Die jüdische Nase: Sind Juden/Jüdinnen weiß? Oder: die Geschichte der Nasenchirugie“ (Sander L. Gilman) und „Als weiße Studierende in einer weißen Universität: erste Positionierung“ (Juliane Strohschein).

(2) Kein Witz, gab es echt: http://zusammenzumziel.blogsport.de/images/ZzZProgrammbersichtStand08.10..pdf

(3) Wollrad, Eske. Weißsein im Widerspruch, S. 13.

(4) http://www.bild.de/regional/leipzig/rassismus/leipziger-verein-geht-auf-pippi-langstrumpf-los-merkwuerdige-debatte-um-angeblichen-rassismus-in-kinderbuch-klassikern-20856460.bild.html#!

(5) Bruhn, Joachim. http://isf-freiburg.org/verlag/leseproben/bruhn-deutsch_lp.html

(6) ISF. Goldhagen und die Krise des wissenschaftlichen Denkens, in: Das Konzept Materialismus.

(7) Wollrad, Eske. Weißsein im Widerspruch, S. 52.

(8) Adorno/Horkheimer. Dialektik der Aufklärung, S. 178.

(9) vgl. Bruhn, Joachim. http://isf-freiburg.org/verlag/leseproben/bruhn-deutsch_lp.html

(10) Adorno/Horkheimer. Dialektik der Aufklärung, S. 205.

Bilder aus Maya Deren, „Meshes of the Afternoon“

Titel aus „Laßt mich doch in Ruhe“ von 4 Promille

Der ehrbare Antisemitismus – Zum 100. Geburtstag von Jean Améry

31 Okt

Der ehrbare Antisemitismus

Die Barrikade vereint mit dem Spießer-Stammtisch gegen den Staat der Juden

Von Jean Améry

De Gaulle fiel. Mandl einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, daß in New York dem französischen UNO-Delegierten Armand Berard nichts Besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut Nouvel Observateur vom 5. Mai): „C’est l’ or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hieß: er reißt in den Ring.“

Das klassische Phänomen des Antisemitismus nimmt aktuelle Gestalt an. Die alte besteht weiter, das nenn ich mir Koexistenz. Was war, das blieb und wird bleiben: der krummnasige, krummbeinige Jude, der vor irgend was – was sag ich? der vor allem davonläuft. So ist er auch zu sehen auf den Affichen und in den Pamphleten der arabischen Propaganda, an der angeblich braune Herren deutscher Muttersprache von einst, wohlkaschiert hinter arabischen Namen, mitwirken sollen. Die neuen Vorstellungen aber traten auf die Szene gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg und setzen langsamerhand sich durch: der israelische Unterdrücker, der mit dem ehernen Tritt römischer Legionen friedliches palästinensisches Land zerstampft. Anti-Israelismus, Anti-Zionismus in reinstein Vernehmen mit dem Antisemitismus von daznmal. Der ehern tretende Unterdrūcker-Legionār und der krummbeinige Davonlāufer stören einander nicht. Wie sich endlich die Bilder gleichen!

Doch neu ist in der Tat die Ansiedlung des als Anti-Israelismus sich gerierenden Antisemitismus auf der Linien. Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist; sich selber freien Willens zum dummen Kerl.

Den Prozeß kann man nutzbringend nachlesen im dem schon vor mehr als einem Jahr in Frankreich bei Pauvert erschienenen Buch Gauche contre Israel“ von Givet. Es genügt aber auch, gewisse Wegmarken zu erkennen, beispielsweise eine in der Zeitschrift konkret erschienene Reportage zu lesen: „Die dritte Front“. „Ist Israel ein Polizeistaat?“ heißt da ein Zwischentitel. Die Frage ist nur rhetorisch. Natürlich ist Israel das. Und Napalm und gesprengte Häuser -friedlicher arabischer Bauern und Araber-Pogrome in den Straßen von Jerusalem. Man kennt sich aus. Es ist wie in Vietnam oder wie es einstens in Algerien war. Der krummbeinige Davonläufer nimmt sich ganz natürlich ans als Schrecken verbreitenden Goliath.

Es ist von der Linken die Rede und keineswegs nur von den noch mehr oder minder orthodoxen kommunistischen Parteien im Westen oder gar von der Politik der Staaten des sozialistischen Lagers. Für diese gehört der Anti-Israelismus, aufgepropft auf den traditionellen Antisemitismus der slawischen Völker, ganz einfach zur Strategie und Taktik einer so und so gegebenen politischen Konstellation. Die Sterne lügen nicht, die Gomulkas wissen, worauf sie rechnen dürfen. Ca bonne guerre! Darüber ist kein Wort zu verlieren.

Schlimmer ist, daß die intellektuelle Linke, die sich frei weiß von Parteibindungen, das Bild übernimmt. Jahrelang hat man – um einmal von Deutschland zu reden – den israelischen Wehrbanem gefeiert und die feschen Mädchen in Umform. In schlechter Währung wurden gewisse Schuldgefühle abgetragen. Das mußte langweilig wenden. Ein Glück, daß für einmal der Jude nicht verbrannt wurde, sondern als herrischer Sieger dastand, als Besatzer. Napalm und so weiter. Ein Aufatmen ging durchs Land. Jederkonnte reden wie die Deutsche National- und Soldaten-Zeitung; wer links stand, war befähigt, noch den Jargon des Engagements routinemäßig zu dekorieren.

Fest steht: der Antisemitismus, enthalten im Anti-lsraelismns oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar. Er kann ordinär reden, dann heißt das „Verbrecherstaat Israel“. Er kann es auf manierlichere Art machen und vom „Brückenkopf des Imperialismus“ sprachest, dabei so nebstbei allenfalls in bedauerndem Tonfall hinweisen auf die mißverstandene Solidarität, die so ziemlich alle Juden, von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen, an den Zwergstaat bindet, und kann es empörend finden, daß der Pariser Baron Rothschild die Israel-Spenden der jüdischen Bevölkerung Frankreich“ als eine Steuer einfordert.

Der Antisemitismus hat es leicht allerwegen, Die emotionelle Infrastruktur ist da, und das keineswegs nur in Polen oder Ungarn. Der Antisemit ‚denystifiziert“ den Pionierstaat mit Wohlbehagen. Es fällt ihm ein, daß hinter dieser Staatlichem Schöpfung immer schon der Kapitalismus stand in Form der jüdischen Plutokratie: Auf diese letztgenannte geht er nicht ausdrücklich ein, das wäre ein ideologischer lapsus linguae, jedoch – „c’est l’or juij“! – niemand wird „im täuschen über die tatsächliche Bestelltheit eines Landes, das am einer schlechten Idee geboren, am schlechten Orte errichtet, einen oder mehrere schlechte Kriege geführt und Siege erfochten hat,

Mißverständnisse sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich weiß so gut wie irgendwer und jedermann, daß Israel objektiv die unerfreuliche Rolle der Besatzungsmacht trägt. Alles zu justifizieren, was die diversen Regierungen Israels unternehmen fällt mir nicht ein. Meine persönlichen Beziehungen zudiesem Land, von dem Thomas Mann in der Josephs-Tetralogie gesagt hat,es sei „ein Mittelmeer-Land, nicht gerade heimatlich etwas staubig und steinig“, sind quasi null: Ich habe es niemals besucht, spreche seine Sprache nicht, seine Kultur ist mir auf geradezu schmähliche Weise fremd, seine Religion ist nicht die meine. Dennoch ist das Bestehen dieses Staatswesens mir wichtiger als das Irgendeines anderen,

Und hiermit gelangen wir an den Punkt, wo es ein Ende hat mit jederberatenden oder analysierenden Objektivität und wo das Engagement keinefreiwillig eingegangene Verbindlilchkeit ist, sondern eine Sache der Existenz, das Wort in mancherlei Bedeutung verstanden.

Über Israel, den modischen Anti-Israelismus, den altmodischen, aber stets in jegliche Mode sich wieder einschleichenden Antisemitismus spricht existentiell subjektiv, wer irgendwie „dazugehört“ (Juden, Personen, die im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 als Juden gelten) – und erreicht am Ende vielleicht gerade darum eine Objektivität annähernd naturrechtlichen Charakters. Denn schließlich mündet noch die geistesschlichteste – genauso wie die gründlichste und gescheiteste – Überlegung in die Erkenntnis, daß dieses Pionierland, und mag es hundertmal nach einer sich pervertierenden pseudomarxistischen Theologie im Sündenstande technischer Hochentwicklung sich befinden, unter allen Staaten dieses geopolitischen Raumes das gefährdetste ist. Sieg, Sieg und nochmals Sieg: Es droht die Katastrophe, und ihr weicht man auch nicht aus, indem man direkt in sie hineinrennt und Israel zum Teilgebiet einer palästinensischen Föderation macht.

Die arabischen Staaten, denen ich Glück und Frieden wünsche, werden den israelischen Entwicklungsvorsprung einholen, irgendeinmal. Ihr demographischer Überdruck wird das übrige tun. Es geht unter allen Umständen darum, den Staat Israel zu erhalten, so lange, bis Frieden, wirtschaftlicher und technischer Vorausgang die Araber in einen allgemeinen Gemütszustand versetzen, der ihnen die Anerkennung Israels innerhalb gesicherter Grenzen gestattet.

Es geht darum. Wem? Die subjektive Verfassung, die zur geschichtlichen Objektivität werden will, hat hier ihre Dreinrede. Israels Bestand ist unerläßlich für alle Juden (Juden, Personen, die im Sinne … und so weiter), wo immer sie wohnen mögen. „Wird man mich zwingen, Johnson hochleben zu lassen? Ich bin bereit dazu“, rief am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges der linksradikale französische Publizist und Sartre-Schüler Claude Lanzmann. Der wußte, was er meinte und wollte. Denn jeder Jude ist der „Katastrophen-Jude“, einem katastrophalen Schicksal ausgeliefert, ob er es erfaßt oder nicht. „Lauf, blasser Jude“, schreiben die Black-Panther-Männer an die Geschäfte und Häuser jüdischer Händler in Harlem und vergessen leichten Herzens die alte Allianz, die in den USA den Juden an den Neger kettete und die noch der mieseste bürgerlich-jüdische Händler nicht verriet.

Wer garantiert, daß nicht einmal eine Regierung in den Vereinigten Staaten zum großen Versöhnungsfest den Juden dem Neger zum Fraß hinwirft? Wer verbürgt den einflußreichen und zum Teil reichen Juden Frankreichs, daß nicht eines Tages das Erbe der Drumont, Maurras, Xavier Vallat zu neuer Virulenz gelangt? Wer steht ein dafür, daß nicht Herrn Strauß, an die Macht gekommen, irgend was einfällt, worauf dann auch ein gewisser Zeitungs-Tycoon sich hüten würde, weitere schnöde Spenden einer schnöde zur Annahme bereiten israelischen Regierung zu geben? Niemand garantiert nichts. Das ist keine paranoide Phantasie und ist mehr als die menschliche Grundverfassung der Gefahr. Die Vergangenheit, die allerjüngste, brennt.

Und nun wird jeder Freund von der Linken mir sagen, auch ich reihte mich ein in die große Armee derer, die mit sechs Millionen (oder meinetwegen fünfen oder vieren) Ermordeter Meinungserpressung treiben. Das Risiko ist einzugehen! Es ist geringer als das andere, welches die Freunde mir proponieren, wenn sie für die Selbstaufgabe des „zionistischen“ Israel plädieren.

Die Forderung der praktisch- politischen Vernunft geht dahin, daß die Solidarität einer Linken, die sich nicht preisgeben will (ohne daß sie dabei das unerträgliche Schicksal der arabischen Flüchtlinge ignorieren muß), sich auf Israel zu erstrecken, ja, sich um Israel zu konzentrieren hat, Das Gebot hat für den nichtjüdischen Mann der Linken nicht die gleiche Verbindlichkeit wie für Juden, stehe dieser politisch links, mittwegs, rechts oder „irgendwo, Aus der Linken kann man austreten; das Sosein als Jude entläßt niemand, das wußte schon ein Früh-Antisemit wie Lanz-Liebenfels, Freilich hat die Linke ihre ungeschriebenen moralischen Gesetze, die sie nicht beugen darf, „Wo es Stärkere gibt, immer auf der Seite der Schwächeren“, welch unüberschreitbar wahre Trivialität! Und stärker werwagte Widerrede? = das sind die Araber stärker an Zahl, stärker an Öl, stärker an Dollars, man frage doch bei der Aramco und in Kuwait nach, stärker, ganz gewiß, an Zukunftspotential.

Die Linke aber offensichtlich schaut wie gebannt auf die tapferen palästinensischen Partisanen, die freilich ärmer sind als die Männer Moshe Dayans. Sie sieht nicht, daß trotz Rothschild und einem wohlhabenden amerikanischjüdischen Mittelstand der Jude immer noch schlechter dran ist als Frantz Fanons Kolonisierter, sieht das so wenig wie das Phänomen des anti-imperialistischen jüdischen Freiheitskampfes, der gegen England ausgefochten wurde. Am Ende ist es auch nicht die Schuld der Israelis, wenn die Sowjetunion vergaß, was 1948 vor der UNO Gromyko mit schönem Vibrato vorgetragen hat: „Was den jüdischen Staat betrifft, so ist seine Existenz bereits ein Faktum, das gefalle oder nicht (…) Die Delegation der UdSSR kann sich nicht enthalten, ihr Erstaunen über die Einstellung der arabischen Staaten in der palästinensischen Frage auszudrücken. Ganz besonders sind wir überrascht zu sehen, daß diese Staaten oder zumindest einige von ihnen sich entschlossen haben, militärische Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziele, die nationale Befreiungsbewegung der Juden zu vernichten. Wir können die vitalen Interessen der Völker des Nahen Ostens nicht identifizieren mit den Erklärungen gewisser arabischer Politiker und arabischer Regierungen, deren Zeugen wir jetzt sind.“

So sprach, wie schon gesagt, die Sowjetunion, eine Großmacht, die Großmachtpolitik treibt und die wohl 4 la longue nicht absehen konnte von dem offenbaren Faktum, daß es mehr Araber gibt als Juden, mehr arabisches Öl all jüdisches, daß militärische Stützpunkte in den arabischen Staaten einen höheren strategischen Wert haben als in Israel, Die Linke im weiteren und weitesten Sinn aber, und ganz besonders die protestierende äußerste Linke, der ich mich auf weiten Strecken verbunden weiß, hat diese Großmacht? Ausflucht nicht, Sie ist, nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten, zur Einsicht verpflichtet Sur Einsicht in die tragische Schwäche des jüdischen Staates und jedes einzelnen Juden in der Diaspora, zur Einsicht in das, was hinter den Kulissen eines jüdischen bürgerlichen Mittelstand des, Hinter dem Mythos des Geld= und Gold-Juden (von Jud Süß bis zu den kontemporären Rothschilds und ein paar jüdischen Hollywood-Größen) sich verbirgt. Die Juden manipulieren zeitweilig Kapitalien: Sie beherrschten sie niemals. Sie haben heute in Wall Street so wenig zu sagen wie einst im wilhelminischen Deutschland in der Schwerindustrie.

Der Staat Israel ist heute so wenig ein Bollwerk des Kapitalismus, wie er es war, als die ersten Pioniere dort den Boden umgruben, so wenig wie die arabischen Staaten vernünftigerweise als progressistisch angesehen werden können. Die Linke macht, das ist der Jammer, die Augen zu. Der Zufall spielte mir gerade einen Text von Hans Blüher zu: „Eine wirkliche Geschichte Europas dürfte nicht so geschrieben werden wie das bisher geschah, daß nämlich ein Jude einmal hie und da anekdotenhaft vorkommt …, vielmehr müßte die Darstellung so sein, daß dauernd die geschichtliche Macht des Judentums als eines latenten und ständig mitspielenden Reiches sichtbar wird.“ Der Text könnte wörtlich in einer der zahlreichen pseudointellektuellen arabischen Veröffentlichungen stehen, mit denen die Presse überschwemmt wird. Und von Blüher – aber auch von Streicher, denn allerwegen ebnet der Antisemitismus die intellektuellen Höhenunterschiede ein – könnte stammen, was der Unterrichtsminister des progressistischen Staates Syrien an den Generaldirektor der Unesco schrieb: „Der Haß, den wir unseren Kindern einprägen, ist ein heiliger Haß.“ Es wäre das alles kaum der Aufnotierung wert, und der närrische Blüher könnte im Frieden des Vergessens schlafen, hätte nicht die intellektuelle Linke Westeuropas (einschließlich übrigens einiger vom Selbsthaß verstümmelter Juden wie Maxim Rodinson) sich dieses Vokabulars bemächtigt und das vom Wortschatz vermittelte Normensystem angenommen.

Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus auch die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird, dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selber vergißt, „Der Antizionismus ist ein von Grund auf reaktionäres Phänomen, das von den revolutionären progreslistischen antikolonialistischen Phrasen über Israel verschleiert wird“, sagte neulich Robert Misrahi, ein französischer Philosoph, der, gleich dem vorhin zitierten Claude Lanzmann, zur weiteren Sartre-Familie gehört.

Der Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken ist gekommen! denn sie ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt. Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben, Leute wie der polnische General Moçzar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten Die Linke muß redlicher sein, Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus,

Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“? „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden,“

Neues/Altes von „Occupy Wallstreet“

28 Okt

Diese antisemitischen „Karikaturen“ sprechen wohl für sich. Empfohlen sei dazu der „Occupy Reason!“ Artikel vom ISF:

„Daß Lohnarbeit Sinn mache, wo sie doch nur die Verwertungsagentur des Kapitals darstellt, daß sie “ethischen und seelischen Wert” bedeute, während sie doch Zwang ist, daß aus ihr gar “ein Ideal” erwachse und eine “Ehre der Arbeit”, woraus sodann und naturgemäß “eine gemeinsame Auffassung von Volk und Nation” folgere, daß schließlich der deutsche Nationalzoo gegen das “gewisse” parasitäre eine Prozent zu verteidigen sei – das blieb nicht der Traum der Deutschen Arbeitsfront, sondern mündete in der Volksfront gegen die Juden. Auch “Occupy” brütet Mordphantasien. Und so wird, wer als Urheber der “Schuldknechtschaft” identifiziert worden ist, schon einmal im Geiste aufgehängt. So waren in Berlin Plakate zu sehen, die einen Galgenstrick unter der Schlagzeile “Alternativlos” und Leichen, die an Straßenlaternen hingen, mit der Aufforderung zeigten, es sei nun “Zeit für einen Laternenumzug”. Im Ressentiment ist man sich allemal einig, und eben dies ist der Grund, warum “Leute, die sich sonst zerstritten hätten”, so “wunderbar” miteinander auskommen. Denn der völkische Wahn war mit dem 8. Mai 1945 und folgenden Zwangspazifizierung der Deutschen keineswegs am Ende. Daß er bis heute Staats- und Volksauftrag ist, verrät sich in der Krise. So ist die deutsche Variante von “Occupy” nur der neueste Ausdruck des deutschen Arbeitswahns, dem die deutsche Ideologie und ergo auch die Boulevardpresse huldigt, so, nur zum Beispiel, der Stern. Dort ruft Hans-Ulrich Jörges, der Chef-Kommentator, der bei anderer Gelegenheit das kalte Kalkül des Staates, die überschüssige Bevölkerung nicht dem Hunger zu überlassen, eine “wahre Honigroute zum Kommunismus” nannte, dazu auf, der die “Realwirtschaft (zer-)störenden Spekulation” müsse “das Kreuz gebrochen werden”. Die deutsche Unschuld sinnt schon wieder auf Rache.“

 

Kritik des Staates – Stromberg und der Ausnahmezustand

28 Okt

Die Kritik des Staates ist nicht nur nötig, sie ist auch ob der linken Fehlinterpretationen, sei es vom allseits beliebten Gegenstandpunkt oder den mittlerweile kaum noch existierenden Bewegungsrevolutionären von „Ums Ganze…“ und ihrer langweiligen ML-Broschüre, kaum noch zu retten. Ein angenehmes Gegengewicht bildet die ISF und die Gruppe Morgenthau. Weil die Einleitung dieser Gruppe nicht nur mehr Inhalt hat als die gesamte „Ums Ganze…“-Broschüre und auch noch in einem schöneren Deutsch daher kommt, habe ich sie mal extrahiert. Sie sei zum Konsum empfohlen. Den ebenfalls empfehlenswerten Vortrag mit Joachim Bruhn gibt es hier: Sachzwang FM bei Audioarchiv

Einleitung Gruppe Morgenthau

„Ganz entscheidend ist nach wie vor die Kritik des Staates, die sich der Möglichkeit bewusst ist, dass noch Schlimmeres jederzeit möglich sein kann. An der gebotenen Anstrengung des Begriffs, die darin besteht, über den Zusammanhang zwischen Normalität und Ausnahmezustand deren Differenz nicht zu vergessen, scheitern dann auch regelmäßig jene Linke, die den Staat in ihre jeweiligen Abrechnungen mit einbeziehen. Eine Kritik des Staates muss sich vergegenwärtigen welchen sie vor Augen hat und was an seine Stelle träte. Staatskritik, die zu mehr taugen soll als zur Handlungsanleitungg für Autonome Hampelmänner oder zur gruppensoziologischen Einlage im langweiligen Universitätsbetrieb, hat von Individuen auszugehen und nicht vertrauensvoll von Klassen oder Massen zu sprechen. Erst dann lässt sich sinnvoll über das negative Potenzial der Staatsbegeisterung nachdenken, welches den Formwandel des Autoritarismus überdauert hat und nun nicht mehr im preußischen Untertan, man denke an die Figur Diederich Heßling, sondern im postnazistischen Aktivbürger schwelt.

Diese Transformation des Autoritarismus lässt sich übrigens wunderbar an der Figur eines gewissen Bernd Stromberg studieren. Das Subjekt dieser Tage, das als Arbeitskraft eigenverantwortlich, flexibel und spontan sein soll und vor diesem geglaubten Anspruch regelmäßg scheitert und sich immer mehr schämt, ist das Resultat der historischen Formveränderung in der Zusammensetzung des Kapitals, das für die Arbeitskräfte, die noch benötigt werden das Motto ausgibt, dass autoritärer Gehorsam weniger produktiv ist. Der Arbeitsplatzschnorrer, der sich als Unternehmer seiner selbst fühlt und der auf dem offenen Arbeitsmarkt sozialstaatlich geregelte Sicherheiten einbüßen muss und dabei erfährt, dass kein heldisch und hochschwellig erlebter Führer Garantien beschwört, verliert zwar den Glauben an die versorgende Funktion des Staates, entrückt diesem dadurch aber nicht. Im Gegenteil, sie werden selbst aktiv, reden und tun, wenn sie politisch und dabei meist bösartig werden so, als wären sie selbst kleine Staaten. Und natürlich wären sie konsequenter, härter und ehrlicher als die korrupten und zugleich verweichlichten Politiker, die ihnen im Ideal vorgesetzt werden.“

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